Als Jäger und Sammler im wilden Mavrovouni: Ein kulinarischer Streifzug zwischen Maronen, Edelpilzen und Wildschweinragout

Dieser Pilz lässt Kenner in Verzückung geraten: Der Kaiserpilz, Amanita caesarea, gefunden im Mavrovouni /Thessalien
Der auf dieser Google-Karte mit „Dasoktima Polydendrio „(Forstbezirk Polydendri)“ bezeichnete grüne Berg ist das Kerngebiet von Mavrovouni in Thessalien.

Mavrovouni heißt die Landschaft in Thessalien zwischen dem Ossa-Massiv im Norden, dem Pilion im Süden, zwischen der Küste im Osten und der Thessalischen Ebene im Westen. Mavrovoni ist eigentlich ein Berg, ein ansehnlich hoher sogar, ein Bergkamm mit Höhenlagen um die 1000 Meter. Mavrovouni bedeutet auf griechisch „schwarzer Berg“, was eigentlich nur zutrifft, wenn seine dicht bewaldeten Hänge morgens von den beschaulichen Ortschaften Potamia, Aghia oder Aetolofos im Gegenlicht stehen. Denn sonst müsste man ihn eigentlich „Grünberg“ nennen. Das Gebirge ist kaum besiedelt, abgesehen von den Dörfen Skiti und Sklithro sind die Orte, die allesamt von der Landwirtschaft leben, um den Fuß des Berges herum verteilt. Das erscheint merkwürdig, erklärt sich wohl aber damit, dass seine steilen, bewaldeten Hänge früher schwierig zu bezwingen waren und das Siedeln an den Füßen, von wo man auf der einen Seite in der fruchtbaren Ebene Landwirtschaft betreiben kann, und einst auf der anderen Meerseite zum Fischfang auszog. Heute liegen an der Ägäisküste des Berges mit seinen Badebuchten und einem langen Strand die Wochenend- und Ferienorte der Städter.

(Mehr über Mavrovouni gibt es in diesem Blog beispielsweise hier oder hier)

Der Berg jedoch versorgt bis heute die Bewohner der Ortschaften nicht nur mit Unmengen von Wasser, das sich bei den zahlreichen Regenfällen durch die Täler und Schluchten in die Ebene ergießt: er wird – und das in jüngster Zeit sogar in zunehmendem Maße – land- und forstwirtschaftlich genutzt. Das wollen wir uns ansehen. In die Höhenlagen des Mavrovouni führt allerdings ausgebaute Straße – nur mit den in der Landwirtschaft üblichen „Agrotika“ (einer Art Geländewagen, meistens gealterte Pickups von Toyota und Mitsubishi) oder Traktoren lassen sich die steilen, unbefestigten „Chomatodromi“ befahren. Zu Fuß im Sommer sind die staubigen und heißen Forstwege mühsam zu begehen, die Strecken sind lang, Orte zur Rast für Bergwanderer gibt es hier oben nicht. Auch GPS ist nicht immer eine Hilfe – der Handyempfang versagt oft, auch hier oben immer mehr Sendeanlagen errichtet werden. In den Mavrouvouni startet man am besten von dem Dorf Potamia oder Skiti aus. Jetzt, Ende September, ist hier unten bis in die Höhe von Skiti (etwa auf 350 Höhenmetern gelegen),die Apfelernte, wie überall in Thessalien, in vollem Gange.

Von Skiti oder auch dem fast in der Ebene gelegene Potamia aus führen die mit rötlicher Erde bedeckten Staubpisten langsam, dann immer steiler werdend, in die Berge hinauf. Nach den letzten Apfelbäumen wechselt die Vegetation zunächst in eine Art Macchia, mit Harthölzern bewachsen, der westliche Erdbeerbaum, hier „Kumaria“ genannt“, ist das Leitgehölz. Die Beeren beginnen jetzt zu reifen, sie schmecken süßlich, säuerlich und vor allem etwas fad. Genutzt werden sie kaum (vgl. Hallespektrum, Pflanze der Woche). Kaum vorstellbar, dass es oberhalb dieser trockenen Gehölzzone Vegetation gibt, die sogar landwirtschaftlich genutzt wird. Und doch ist es so.

Hebt man die Augen in die sich weiter oberhalb auftürmenden, dunkel grünen Berge, so erkennt man schon von weitem, dass dort ein Wald aus recht großen Bäumen bis in die Gipfelllagen der Berggipfel aufsteigt. Ermöglicht wird dieses Baumwachstum durch die Nebelwände und Regenwolken, die sich weiter oben an den Hängen stauen und diese oft sogar in ein feuchtes Dunkel tauchen – manchmal, wie jetzt im Herbst, ganz plötzlich und unvermittelt. Bald begleiten Eichen und Buchen, dann immer mehr und mehr Kastanien, und zwar nicht etwa die uns bekannten Roßkastanien, sondern Esskastanien (Maronen, Castanea sativa) den Weg. Teils handelt es sich noch um ihre Wildform, denn der Baum ist hier heimisch.

In den meisten Fällen aber verraten die Tennisballgroßen, grüngelb leuchtenden, stachelbewehrten Fruchtstände, dass es sich Kulturformen handelt. Es fällt auf, dass viele Plantagen neu angelegt sind, besetzt mit noch recht kleinwüchsigen Bäumen, die aber, das verraten ältere Exemplare, locker Höhen bis zu 20 Meter erreichen können. Schwarze Wasserschläuche durchziehen die steil in die Hanglagen aufsteigenden Plantagen mit einem bizarren Girlandenwerk. Je weiter man aufsteigt, mittlerweile erreichen wir Höhen von 800 bis 1000 Meter, wird der Nebel dichter, die Bäume kräftiger. Motorengebrumm zeugt von unzähligen Dieselmaschinen, die tagein- tagaus das Wasser zu den Bäumen pumpen. An manchen Stellen künden verkohlte Holzreste und breite, in ihren Höhlungen ausgekohlte Baumstümpfe, von Jahren zurücklegenden Brandereignissen – die aber anders, als sonst in Griechenland, kaum katastrophale Ausdehnungen erreicht haben. Ein Glück. Das mag an der prinzipiell geringeren Entflammbarkeit der regelmäßig künstlich wie natürlich befeuchteten Baumwelt liegen. Nadelbäume sieht man hier nicht.

Aus den verkohlten Stümpfen dieser Bäume treibt frisches Grün – es sind jedoch nicht Stockausschläge. Bauern haben die verkohlten Ruinen angebohrt, Edelreiser der neuen, besonders ertragreichen Edelkastaniensorten eingesteckt, die ihren Saft nun aus den lädierten, aber noch vitalen Relikten ihrer Großväter ziehen.

Dass nun, wo die Apfelernte sich dem Ende zuneigt, der nächste Ernteeinsatz in größerer Höhe ansteht, davon zeugen die langsam aufplatzenden grünen Stachelhüllen, die die braunglänzenden Maronenfrüchte langsam freigeben. Je höher wir geraten, ums so reifer werden die Bäume – die Ernte wird hier von oben herab, absteigend, erfolgen. Auf etwa 1000 Höhenmetern finden wir herabgefallene Kastanienauf dem Weg, viele aber sind nicht auf die Straße gefallen, sondern sind die Hänge hinabgekollert, wo sie sich in Mulden sammeln. Wie werden die eigentlich professionell geerntet? Gibt es da Maschinen? Wer soll da umherklettern, und um die Ware in die bereits bereitstehenden blauen Plastekisten einsammeln? Sicher ist: anders als in den Äpfelplantagen, wo zwischen den Baumreihen kleine Traktoren mit Anhängern durch fahren, besetzt mit meist albanischen oder osteuropäischen Zeitarbeitern, kommt hier keine Technik durch. Die Bäume zu hoch, die Hänge zu steil, und die Früchte fallen einfach aus den Stachelhülsen von den Bäumen, wenn sie reif sind und häufigen Windböen sie schütteln.

Eigentlich war unsere Idee, hier oben Pilze zu sammeln. Ein hoffnungsloses Unterfangen, denken wir, aber immerhin sind unsere Taschen voll mit Maronen, die wir vor dem Überfahren gerettet haben. Was auch nicht schlecht ist. Denn sie sind frisch, nicht wie diese innen verschimmelte, bestenfalls vertrocknete Ware, die man gelegentlich in Halle im Supermarkt erwerben kann.

Statt Maronen: der Kaiserling, der begehrteste Speisepilz der antiken Welt: Amanita caesarea.

Für Pilze war es zu trocken, jedenfalls fanden wir bislang keinen, bis zwischen vertrockneten strohigen Fruchthüllen der Bäume ein einzelner orangefarbenener Fleck erscheint. Ein Pilz. Erst einer, dann mehrere. Immer wieder in kleinen Gruppen lugen sie hervor. Vorsichtig aus dem mulmigen Erdreich gehoben, zeigen sie eine deutliche, breite Konolle, aus der ein Stiel emporsteigt. Der Schaft trägt eine Manschette, wie ein Knollenblätterpilz. Keine Frage: es handelt sich um Exemplare der Gattung Wulstling. Zu ihnen gehören die giftigsten Pilze, die man kennt – aber auch einige Speisepilze, beispielsweise der Perlpilz, den man jetzt auch gelegentlich in den herbstlichen Wäldern in Deutschland findet. Der Hut ist orangegelb, trägt aber keine weißen Flecken (Hüllreste) wie der uns natürlich bekannte Fliegenpilz. Sehr auffallend: Die Blätter (Lamellen) der Hutunterseite sind intensiv gelb-orange gefärbt. Das macht die Bestimmung sicher: Es ist eine Amanita caesarea, der Kaiserling. Schon der antike Enzyclopädist Plinius nennt in seiner „Naturalis historia“, der Wikipedia der Antike, Steinpilz, Trüffel und Kaiserling als die drei besten Speisepilze.  Aber auch der Gault Millau führt ihn als den „König der Pilze“ und empfiehlt sogar, den Fruchtkörper roh als Carpaccio zu genießen.

Das ist auch das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zu anderen Arten der Gattung Amanita, und auch die wichtigste Lebensversicherung: kein anderer Wulstling hat gelbe Lamellen. Das sagt nicht nur die schlaue Wikipedia, sondern steht so auch in vielen Bestimmungsbüchern, auch diverse Apps erkennen den Pilz (obwohl – wie wir wissen – hier Vorsicht geboten ist. )
In fremden Klimazonen gibt es oft schlimme Doppelgänger – die leidvolle Erfahrung machen bekanntlich nicht nur nach Deutschland geflüchtete – anders herum passiert es auch. Aber auch die „einheimischen“ Webseiten beschreiben den „Käsarikos“ als guten Speisepilz und zeigen mögliche Verwechslungsgefahren fachkundig auf.

(Zum Thema Pilze sammeln in Griechenland gibt es in diesem Blog auch hier etwas zu lesen)

Der Wald: ein Ort, um zwanglos neue Bekanntschaften zu schließen

Motorengeräusch kommt näher, zwischen den Bäumen nahe der Lichtung, erscheint ein schwarzer Pickup, steuert langsam auf uns zu. Aus dem Wagen steigen zwei Männer, ein älter und ein jüngerer. Sie inspizieren zunächst das Wasserbecken, das hier als Pumpspeicher dient, dann mustern sie uns argwöhnisch und sprechen uns an. Was wir hier tun, sie hätten nichts dagegen, dass wir uns aufhalten – man möge es nur nicht, wenn Fremde die Kastanien zwischen den Bäumen aufsammeln. Das seien nämlich ihre. Wir versichern, dass wir mehr auf Pilze aus sind und zeigen den Herrschaften die Exemplare, die wir gefunden haben. Anerkennend stimmen sie uns zu – und bestätigen ebenfalls Art und Essbarkeit. Wir sollten uns aber vorsehen, meinten sie. Nicht nur vor giftigen Pilzen. Vielmehr sollen wir uns nicht dem Metallrohr nähern, das da zwischen den Bäumen steht und über einen Schlauch mit einer Propangasflache verbunden ist. Es ist eine Selbstschussanlage. Diese Maschinen, die übrigens kein Projektil verschießen, aber eine gehörige Druckwelle erzeugen, sind auch Ursache der merkwürdigen Knallgeräusche, die ringsum in den Wäldern zu hören sind. Sie sollen Vögel vertreiben.

So kommen ins Gespräch. Zunächst über Pilze, besonders der Jüngere scheint sich gut auszukennen. Im letzten Jahr – was ein gutes Pilzjahr war – haben die beiden einen Zentner davon aus ihrem Wald geholt, und sorgsam als Vorrat eingefroren. Die Plantage, bzw. der Wald, gehört ihnen. Wir fragen, aus welchem Ort sie kommen, von wo aus die Wälder hier oben bewirtschaftet werden. Aus Potamia, sagt der ältere. Da stammt mein Schwiegervater her, erkläre ich, und siehe: die Welt ist klein: die Familien waren Nachbarn. Wir bekommen gekochte Kastanien zum probieren, der Geschmack ist herrlich, leicht süßlich, weich wie Marzipan.
Nun erfahren wir auch, mit welchen Maschinen die Kastanienernte eingefahren wird: es gibt gar keine Maschinen. Alles wird von Hand aufgesammelt. Man habe schon vieles probiert, etwa mit Saugrüsseln: aber alles Fehlanzeige, hier zählt Handarbeit. Die erledigen wieder die albanischen, rumänischen und bulgarischen Saisonkräfte, derer allein unser Kastanienbauer über 50 jedes Jahr beschäftigt.

Schwein gehabt

Es wird frisch, geht auf sechs Uhr zu, zwischen den Bäumen weht ein kühler, geradezu kalter Wind und treibt Wolkenfetzen umher, es wird Zeit, die Talfahrt anzutreten.

Wir verabschieden uns – und sehen uns kurz darauf wieder. Vor einem großzügigen Haus in Potamia steht wieder der schwarze Pickup. Unsere Waldbekanntschaft winkt uns herbei. In der Einfahrt liegt ein frisch erlegtes Wildschwein, das den beiden auf dem Rückweg vor die Flinte gekommen ist. Während der Coronapause (wo sogar Jagen verboten war) haben die Tiere im Wald geradezu überhand genommen, erfahren wir. Vor uns liegt ein ordentliches Exemplar, seine Hauer lugen gefährlich aus dem blutenden Maul hervor, Vater und Sohn häuten das Tier. Wir bekommen eine Tüte mit einigen Fleischstücken geschenkt, versehen mit der Empfehlung, es gut zu marinieren, Knoblauch und ein Schuss Tsipouro (ein spezieller Tresterschnaps aus der Region) sollen es besonders zart und schmackhaft machen.

Hallali im Mavrovouni: die Sau ist tot

Dankend verabschieden wir und, und versichern, nächstes Jahr wiederzukommen, „einfach and der Tür klopfen, wir freuen uns“, laden sie uns ein.

Das machen wir, ganz bestimmt. Wenn die Pilze, die wir mittlerweile gegessen haben, es zulassen.

Maronen und Kaiserlinge: thessalisches Foodporn, unbearbeitet

Die Ägäische Katze: ein Haustier züchtet sich selbst

Sie haben richtig gelesen: es geht nicht um Selbstzüchtigung, sondern um Selbst-Zucht und darum, wie es in Griechenland frei lebende Katzen dazu bringen, den Rang einer bald international anerkannten Haustierrasse zu erhalten.

Kaum eine Tierart ist in Griechenland derart präsent wie Katzen. Während Ziegen und Schafherden nur gelegentlich die Landstraßen blockieren und verwilderte Hunde vorzugsweise vorbei fahrenden Autos hinterherjagen, sind ihre miauenden Mit-Carnivoren allgegenwärtig: sie bevölkern Kitschpostkarten, Tavernen und Restaurants, Müllcontainer in den Großstädten genauso wie sie in den Fischereihäfen herumlungern. Viele ihrer Artgenossen haben allerdings auch den anerkannten Status als Familienmitglieder erhalten und leben in den Etagenwohnungen der Städte: neben Hunden ist die Katze in Griechenland, ähnlich wie in den meisten europäischen Ländern, das beliebteste Haustier.

Da haben sie Glück: denn wild lebende „Streunerkatzen“ werden von der Verwaltung vieler von Tourismus lebenden Gemeinden als Problem angesehen. Von den meisten Touristen geliebt, unter dem Tavernentisch gefüttert und in malerischen Posen fotografiert, polarisieren die Tiere unter den Einheimischen. Das bemerkt man nicht erst, wenn der Wirt entnervt das Gesicht verzieht, weil die Gäste einen Teil der liebevoll servierten Speisen an die unter dem Tisch lungernden Katzen verteilen. Wie auf Kommando ist nämlich nicht nur das eine kleine süße Tierchen, das unbedingt vor dem Hungertod gerettet werden muss, zur Stelle: wie auf ein geheimes Zeichen verabredet, ist schnell das halbe Dutzend Katzen aus versteckten Winkeln herbeigesprungen, um den reichen zweibeinigen Onkel aus Amerika zu umbetteln. An Ferienorten haben sich Andenkenläden, Kioske und Mini-Märkte an den Bedarf zugereister Katzenliebhaber angepasst: Neben Dosenbier, Zigaretten und Andenken halten sie auch Katzenfutter in handlichen Portionstüten bereit. Wenn die Touristensaison vorbei ist, bleiben Heerscharen überfütterter Katzen zurück: nur ein Bruchteil überlebt den Winter.

Katzen in einer privaten Pflegestelle in Apterea / Kreta

Vielerorts haben sich – insbesondere in den Touristenregionen – Katzenschutzvereine gebildet, erstaunlich viele sind in der Hand von Einwohnern mit deutschem „Migrationshintergrund“, aber auch einheimische Tierliebhaber kümmern sich um Katzen, die sie oft in kleinen Heerscharen an Futterstellen versorgen. Die Katzenliebe ist umstritten – andere Gemeinden „entsorgen“ Katzen in mehr oder weniger brutaler Weise durch Vergiften, aber es gibt auch humane, allerdings teure Kastrationsprogramme.

Katzenvermittlung

Viele Tierschutzorganisationen vermitteln griechische Katzen – auch ins Ausland. Sie sorgen auch dafür, dass die Katze tatsächlich in gute Hände kommt, und vor Allem: dass das Tier überhaupt die erforderlichen Reisepapiere bekommt. In die Hände einer solchen Schlepperorganisation zu geraten, ist für manche Katze sicher ein Glücksfall – und für die Tierliebhaber, die unbedingt eine dieser bezaubernden Postkartenkatzen bei sich aufnehmen wollen, der einzige sichere Weg dahin.

Interessenten können sich beispielsweise an folgende Katzenvermittlungsstellen wenden:

Paroskatzen.de

Katzenvermittlung Santorin

Katzenvermittlung Kreta

Nun kann es aber passieren, dass man in die dumme Situation gerät, sich als Urlauber in eine ganz bestimmte Katze zu verlieben. So manchem Reisenden hat dieses Schicksal ereilt, zumeist unverhofft und unvorbereitet. Es ist meistens die Katze, die es mit der ihr immanenten Überzeugungskraft schafft, jegliche Grenzen der menschlichen Vernunft zu überwinden. Der Autor weiß, wovon er spricht, seit Jahren lebt in seinem Haushalt ein vierbeiniger Hausgenosse aus Thessalien. Aber das ist eine andere Geschichte.

Strenge Vorschriften bei der Katzenadoption beachten

Unser Kater, Larissa 2013, mit Impfpass

Wenn man sicher ist, dass das anhängliche und liebgewordene Tier wirklich herrenlos ist, man selbst möglichst bereits über einschlägige Katzenerfahrung verfügt und sich über die Konsequenzen seines Handelns bewusst ist: dann geht der erste Weg zum örtlichen Tierarzt. Die Vorschriften und Wege sind im EU-Recht ziemlich eindeutig, illegale Wege wie Schmuggel etc. sind ausgeschlossen:

„Bevor Ihr Haustier reisen darf, muss es von einem ermächtigten Tierarzt gegen Tollwut geimpft werden. Damit die Impfung gültig ist, muss Ihr Haustier mindestens 12 Wochen alt und vor der Impfung mit einem Mikrochip ausgestattet worden sein. Ihr Haustier darf frühestens 21 Tage nach Abschluss des Impfprotokolls reisen. Sie sollten sicherstellen, dass alle weiteren Impfungen verabreicht werden, bevor die Gültigkeitsdauer der vorherigen Impfung abgelaufen ist.“ (Quelle: europe.eu)

Nur ein Tierarzt kann die entsprechenden Untersuchungen und Impfungen verabreichen, das Tier chippen (Impfung und Chip, Bill Gates lässt grüßen 🙂 ) und am Ende auch den EU-Haustierausweis ausstellen. Schon der Zeitfaktor dürfte die meisten spontan-Katzenimporteure vor unlösbare Probleme stellen.

Junge Kätzchen, Herbst 2021, Platia Anatoli Aghias

Die griechische Wohnungskatze

Keineswegs leben in Griechenland nur herrenlosen Streunerkatzen. Im Gegenteil: schon im Straßenbild der Großstädte fällt die die Vielzahl von Geschäften für Heimtierbedarf auf, das Angebot ist vor allem auf Hunde- und Katzenbesitzer ausgerichtet. Kleintierarztpraxen arbeiten dabei mit einem kombinierten Geschäftsmodell: im vorderen Ladenbereich verkaufen sie Katzen- und Hundefutter, Hundeleinen, Katzenspielzeug und was das Herz des Tierliebhabers begehrt. In den dahinterliegenden Räumen werden die Tiere behandelt, die meisten Praxen verfügen auch über Röntgenvorrichtungen und OP-Räume nach europäischem Standard.

Ein Wurf, wie aus einem Guss: Ägäische Katzen (Zagora / Pilion)

Natürlich führt der Weg der Katze nicht nur aus Griechenland heraus – es gibt auch Einwanderer. Im Haushalt unserer Tierärztin in Larissa lebt beispielsweise Massoud – der Kater einer geflüchteten Syrerin, die ihr geliebtes Tier bis nach Griechenland gebracht hat, dann aber doch nicht ins Zielland Kanada mitnehmen konnte.

Die Katzenrasse Aegean und die Selbstzucht

Während einerseits der Mehrzahl „wilder“ Streunekatzen weltweit irgendwo das Schicksal im Spannungsfeld zwischen Verhungern, vergiftet-werden oder Adoption zuteil wird, genießen „Edelkatzen“ den Status eines Luxuslebens. Schon deshalb, weil ihre Besitzer schon für den Erwerb ihrer „Rassekatze“ größere Geldmengen aufgeboten haben.

Die Ägäische Hauskatze auf dem Weg zur „anerkannten Rasse“

Was liegt da näher, als die streunenden „Allerweltskatzen“ in den Adelsstand zu erheben? Griechische Katzenfreunde sind da offenbar auf einem guten Weg. Es gibt bereits eine Art Rassestandard, der zwar noch nicht international anerkannt ist, es aber unter anderem schon zu einem Wikipedia-Eintrag gebracht hat. Auf vielen Katzenseiten wird die „Ägäische Hauskatze“ bereits in ihren Eigenschaften von Kopf bis Schwanz, Fellfarbe, Ohrenform und Sozialverhalten klar definiert. Einig ist man sich darüber, dass sich die „Ägäische Hauskatze“ ohne menschliches Zutun – lediglich durch Selbstauswahl und Anpassung an den Menschen – erschaffen hat. Wobei: vermutlich hat sie eher ihre zweibeinigen Freunde züchterisch bearbeitet.

Wer auch nur wenig Erfahrung mit den um das Mittelmeer sich tummelnden Katzen verfügt, wir zunächst bestätigen: die herausragende Fähigkeit dieser Katzen ist, die von ihr ausgewählten Zweibeiner dazu abzurichten, ihren freien Willen aufzugeben und sich ganz dem Wunsch der Katze unterzuordnen. Im Regelfall sucht sich die Ägäische Katze den Menschen aus, indem sie sich aus der Gruppe ihrer Artgenossen löst, vor ihrem ausgewählten Partner niederlässt und ihn durch unaufhörliches Geschrei und hinterherlaufen dazu bringt, zunächst sein Essen mit ihr zu teilen, um dann notgedrungen („das arme Tier, wer, wenn nicht ich, wird sich um sie kümmern“ ) in den Hausstand aufgenommen zu werden. Wo sie fortan das Heft übernimmt und keinen Widerspruch duldet.

Laut „Züchterdefinition“ zeichnet sich die Ägäische Hauskatze durch folgende Merkmale aus:

Gewicht: 8-12 Pfund

Augenfarbe: grün, blau oder golden

Fell: zwei/ bis dreifarbig, eine davon weiß, mittellang

Schwanz: Lang, manchmal krumm

Pfoten und Beine: mittelgroß.

Unter den sozialen Eigenschaften ist vermerkt, Ägäische Hauskatzen seien intelligent und äußerst „gesprächig„.

Nicht nur unser Kater, den wir vor Jahren nach Halle mitgenommen haben, erfüllt diese Kriterien vollkommen. Gerade komme ich wieder vom Katzenfüttern zurück. Ein neuer Ägäischer Promenadenkater hat unsere volle Aufmerksamkeit erobert. Als wir hier vor ein paar Tagen in Aghiocampos eintrafen, hatte das Tier bereits zwei Nachbarsfamilien unter seine Herrschaft gebracht, nun sind wir dran.

Kater Lupin erfüllt alles Standards der Rasse „Aegean“.

Der Kater sitzt vor der Haustür und schreit, wenn man nicht schnell genug die verlangte Futterration herunterbringt, und das 7/24. Mehrere Familien buhlen um die Gunst des roten Schreihalses, der oft nicht einmal genau weiß, was er will: Fressen, Milch, gestreichelt werden. Am meisten mag er die Kinder im Erdgeschoss. Mit ihnen macht er Ausflüge an den Strand, stundenlang tummelt er sich zwischen ihnen und hilft fachkundig beim Scharren im Sand. In allen Wohnungen findet er sich mittlerweile zurecht: er weiß, wo Küche und Kühlschrank sind und hat herausgefunden, auf welche Gesangstonlage die jeweiligen Bewohner reagieren, um Bestellungen entgegenzunehmen. Die Nachbarskinder rufen ihn „Lupin“. Wir haben die Kinder nach der Herkunft des Namens gefragt und erfahren, dass eine Figur bei Harry Potter so heißt: ein Werwolf, der nachts unaufhörlich seine Gesänge zum Besten gibt. Dieser Kater bleibt auf jeden Fall hier.

Για την αγαπημενη γυναικα μου στα γηνεθλια της το 2021.

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Streifzüge durch Larissa

Lagekarte Larissa

Wenn das Gespräch auf Larissa kommt, werden viele ältere Griechenlandreisende berichten, sie „seien da schon einmal durchgefahren“. Heute vermutlich seltenen, denn die Stadt umgibt heute ein Ring von Umgehungsstraßen und einen Autobahnring, so dass man ungeplant selten in den Genuss kommt, in den zu Stoßzeiten hoffnungslos verstopften Innenstadtbereich zu geraten. Heute hat die Stadt  etwa 165.000 Einwohner und damit die größte Stadt Thessaliens. Sie ist die Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur. Larissa verdankt ihre Bedeutung seit der Antike zwei Faktoren: zum einen besetzt die Stadt „strategisch“ einen wichtigen Verkehrsknoten am Ausgang des Tembi-Tals, einem Durchbruch zwischen den Bergmassiven von Olymp und dem Ossa-Gebirge.

Wer Griechenland an der Küste von Thessaloniki Richtung Athen wollte, musste hier durch: das gilt bis heute. Auch das Land vom Ionischen Meer kommend, das Pindos-Gebirge durch die Passage von Pyli durchquerend, die Thessalische Ebene erreichte, wird sich auf dem weiteren Wege durch die sich nun öffnende grüne Landschaft des thessalischen Beckens in Larissa am Fluss Pinios wiedergefunden haben. Die fruchtbare weite Ebene, schon in der Antike die Kornkammer Griechenlands schlechthin, ist der zweite Pfeiler, der der Stadt Larissa schon in der Antike zu Wohlstand verhalf. Landwirtschaft und Handel prägten seitdem die Wirtschaft der Stadt: bis heute.

Silberstater (Münze) aus Larissa, 4. Jhdt v. Ch.

Besiedelt ist Larissa bereits in de Jungsteinzeit. Zu einer größeren Stadt von Bedeutung geriet sie im in der Zeit der klassischen Antike im 5. Jahrhundert. In Larissa geprägte Silberdrachmen zeigen oft ein Pferd – wohl ein Hinweis auf einen ausgedehnten Handel und Zucht dieser Tiere in der Region. Aus dem 3. Jahrhundert vor Christus sind noch eindrucksvolle Reste eines Theaters erhalten, die in den 1980er Jahren nahezu vollständig ausgegraben sind und heute auch zu öffentlichen Kulturveranstaltungen genutzt werden.

Das antike Theater in Larissa, 3. Jhdt v. Ch.

Aus der Zeit des frühen Christentums hat die Stadt einen Heiligen aufzubieten, der heute Patron der Hauptkirche (Metropolie) der Stadt ist. Achillios war Metropolit (Erzbischoff) von Larissa und soll sich um die Orthodoxie während des Konzils von Nicäa mit einem Wunder verdient gemacht haben (Kritiker um die strittige Frage nach der ursächlichen Abfolge von Vater und Sohn hat er mit Öl überzeugt, das er aus einem Stein fließen ließ).

Zeitweise schon in den 1390er Jahren, endgültig ab 1421 kam Larissa unter osmanische Herrschaft, lange schon vor dem endgültigen Fall des byzantinischen Reiches 1453. In der Folgezeit war die Stadt stark islamisch geprägt, neben Christen gab es jedoch auch eine starke jüdische Minderheit. Bekannt war sie für die Vielzahl reich gestalteter Moscheen und Bäder.

Larissa. Stich von Coronelli Vicenco 1688. Die Ansicht zeigt schematisch die Moschee sowie die Brücke über den Pinios

Die osmanische Herrschaft endete endgültig nach den Türkenkriegen 1898. Im Fortgang wurden viele Reste osmanische Herrschaft in der Stadt geschleift. 1908 wurde die – aus heutiger Sicht baukünstlerisch bedeutende Hassan Bey Moschee aus dem 16. Jahrhundert geschleift. Sie hatte das Stadtbild auf der antiken Akropolis an der Pinios-Brücke über 300 Jahre geprägt und wurde nun ab 1909 durch einen neuen Kirchenbau (Aghios Achillios) ersetzt. In neobyzantinischem Stil, unter Verwendung von viel Stahlbeton und Marmor.
Das Schicksal der Umbenennung nach der Re-Hellenisierung, das viele kleinere Orte Thessaliens erlitten, erfuhr Larissa nicht: ihren antiken Namen hatte die Stadt durch alle Zeiten, auch während der Herrschaft der Osmanen, behalten.

Skizze aus dem Judenviertel von Larissa, Bertholdy, 18. Jhdt


Nach der weitgehenden Auslöschung der osmanischen Architektur erfolgte die Zerstörung der Stadt im 2. Weltkrieg. Im März 1941 war die Stadt von einem Erdbeben heimgesucht worden, wenige Tage darauf bombardierte die italienische Luftwaffe die Stadt. Deutsche Truppen besetzten die Stadt 1941-44, in der Folge wurden von hier über 1800 Juden nach Auschwitz deportiert.

Was Erdbeben und zweiter Weltkrieg nicht vernichteten, verschwand im Zuge der Modernisierung und Neubebauung. Noch in den 1980er-1990er Jahren verschwanden fast alle der noch übrig geblieben Bauten aus der neoklassizistischen Bauten des 19. Jahrhunderts und bis auf wenige Ausnahmen alle verbliebenden Gebäude aus osmanischer Zeit.

Heute ist Larissa eine pulsierende, moderne Stadt; ein Streifzug lohnt sich dennoch allemal, keineswegs nur zum flanieren und Shopping in den großzügig angelegten Fußgängerzonen oder dem ausgedehnten Park Alkazar am Ufer des Pinios, der die Stadt durchfließt. Und wer genau hinsieht, stößt auch noch hinter modern Geschäftsfassaden auf das ein oder andere vormoderne Relikt.

Wer sich für die Geschichte Thessaliens interessiert, kommt an einem Besuch im „Diachronen Museum Larissa“ nicht vorbei. Hier werden archäologische Funde von der Jungsteinzeit bis in die osmanische Zeit ausgestellt. Außerdem werden regelmäßig Sonderausstellungen zu ausgewählten Kapiteln der Regionalgeschichte gezeigt.

Reste des alten türkischen Hamam – umbaut mit Läden vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Aber auch sie wurden später abermals zur Unkenntlichkeit „modernisiert“.
Spuren eines Obst-und Gemüseladens aus den 1970er Jahren
Larissa: Moderner Bioladen für Obst und Gemüse
Tsipuro-Zeit in der Mittagspause
Ein noch erhaltenes neoklassizistisches Wohnhaus zwischen Hochhäusern vom Ende des 20. Jahrhunderts
Pinios-Brücke mit der Kirche Aghios Achillios auf der ehemaligen Akropolis. Bis 1907 stand hier die Hassan Bey Moschee aus dem 16. Jahrhundert
Aghios Achillios mit dem bronzenen Pferdedenkmal (1980er Jahre?)
Auch die jüngsten Zeiten – (Wirtschaftskrise, Corona-Krise) – haben im Straßenbild Spuren hinterlassen
Restauriertes Geschäftshaus aus dem 19. Jahrhundert
Zahlreiche Geschäfte in der Fußgängerzone laden zum Einkaufen ein
Straßencafes in großer Zahl erfüllen die ausgedehnten Fußgängerzonen

Graffiti unter der Pinios-Brücke

Neue Schnellstraße soll die letzten unberührten Wälder durchschneiden: „um die Schönheit des Landes zu zeigen“

Beginn eines merkwürdigen Bauprojetes durch Mavrovouni und Pilion

Die letzten Jahre berichtete ich über eine schönen, verwunschenen Feldweg, der unterhalb des Ortes Sklithro durch Berghänge und Felsen entlang der Küste bis zum Ort Keramidi in den Pilion führt. Ein holperiger unbefestigter Feldweg, der an wenigen Häusern, kleinen Olivenhainen und einem verlassenen Bergwerk entlang führt. Am Ende des Weges liegt das Bergdorf Keramidi, das seinerseits eine gute Straßenanbindung in die thessalische Ebene bei Kanalia und weiternach Volos oder Larissa verfügt.

Keramidi selbst ist ein hübsches, verschlafenes Nest, malerisch in den Bergen gelegen, darunter am Meer befindet sich eine kleinen Badebucht, Kamari genannt, drei Häuser, ein Strandcafe.

Dieser Anblick gehört bald der Vergangenheit an: weiße Quarzsansteinfelsen in den Bewaldeten Berghängen zwischen Keramidi und Skiti im Nordteil des Pilion. Bald wird hier eine Schnellstraße die Landschaft durchschneiden

Von Keramidi aus führt dann noch eine etwa 15 Kilometer lange, einfache Straße zum nächsten Ort , Veneto genannt. Auch hier leben in den Sommermonaten vielleicht 100 Menschen, in den Wintermonaten kaum jemand.

Ein kleiner Reisebericht von 2018 – zwischen Mavrovouni und dem Pilion

Halbinsel Pilion (unten/mitte) und Bergland Mavrovouni (oben)

Sieht man sich die Gegend auf der Karte an, so stellt man fest, dass die stark von Tourismus frequentierte Halbinsel Pilion jedoch eine Sackgasse darstellt. Bis heute ist sie eigentlich nur von Volos aus erschlossen, am Ort Zagora enden die Verkehrsverbindungen. Besonders im Sommer und Herbst schlängeln sich horrende Autokolonnen von Volos kommend in die Bergdörfer des Pilion, verpesten die Luft und verursachen einen höllischen Lärm. Die Folge für die einst einmal romantischen Bergdörfer mit ihren bis in die 1980er Jahre nicht gut erhaltenen Steinarchitektur des 18. und 19. Jahrhunderts: sie wurden mit einer Vielzahl von Neubauten in Form von Hotels überzogen, protzigen Privathäusern (errichtet aus Beton, verkleidet mit Natursteinen und kitschigen Accessoires, die sie („traditionell“ aussehen lassen sollen), eine Skipiste ergießt sich vom höchsten Ort Chania in die Wälder hinab, Andenkenläden und Cafes säumen die sich hinauf schlängelnde Straße, auf der sich Reisebusse in die einst naturbelassene Landschaft hinaufwälzen.

Ein Bild, das bald der Vergangenheit angehört: Ziegenherde auf dem Feldweg Weg zwischen Sklithro (Mavrovouni) und Keramidi (Pilion)

Etwas zum Pilion gab es hier schon einmal zu lesen:

Sieht man sich die Luftbildkarte weiter an, so bemerkt man, dass die Berggegend des Pilion, und vor allem die von Mavrovouni, nahezu durchweg dunkelgrün ist. Es sind Wälder, eine der letzten geschlossenen Laubwaldgebiete Mittelgriechenlands. In der Karte findet man eine blaue Linie. Das ist die von „Google-Maps“ vorgeschlagene Fahrt auf den Pilon, alle Orte am Hang der bewaldeten Halbinsel werden nur von Volos aus erschlossen. Dann sieht man auf der Karte oben an der Küste eine Rote Linie. Dort hat gerade der Bau einer gewaltigen Schneise durch den Wald begonnen. Hier soll in den nächsten Jahren schon eine breit ausgebaute Schnellstraße durch die Wälder führen – versehen mit hohen Stütz- und Begrenzungsmauern, Rastplätzen, Tankstellen und Brücken und autobahnähnlich ausgebauten Anschlussstellen. Auch angrenzende Feldwege sollen asphaltiert und ausgebaut werden. Jahrhunderte alte Baume und Vergetationsräume werden abgeräumt.

Noch mehr Autoverkehr wird sich auf den Pilion ergießen, noch mehr Beton in den einst noch malerischen Ofrten vergossen, Siedlungen werden zu Hotelburgen, ehemals allenfalls forstlich oder landwirtschaftlich genutzte Grundstücke werden zu Bauland: die Begehrlichkeiten sind enorm. Bisher waren der Pilion und Mavrovouni kaum von Waldbränden betroffen: man darf hoffen, dass das nur daran liegt, dass hier an den Nordosthängen der Berge bislang verhältnismäßig viel Regen fiel. Straßen durch unberührte NAtur verboinden nicht nur Ortschaften miteinander, sie sind Magneten für weitere Zersiedelung. Man darf nur hoffen, dass sich nicht das Schlimmste bewahrheitet. Griechenland könnte eines seiner letzten Naturräume an Wirtschaft und Tourismus verlieren.

Die Bauarbeiten haben bereits in diesem Sommer auf den ersten Kilometern zwischen begonnen. Das, was man bereits erkennen kann, lässt die Ausmaße erahnen.

Die folgenden Aufnahmen entstanden in der ersten Septemberwoche 2021. Das erste Teilstück der neuen Straße verläuft genau dort, wo zwei bis drei Jahre vorher die Bilder aus der obigen Galerie auf dieser Seite entstanden.

-einfügen Bilder Straßenbau-

Träger der Baumaßnahmen ist die Regionalregierung der beiden thessalischen Präfekturen Larissa und Magnesia. Man erhofft sich mit dem Projekt, die Region für den Tourismus weiter zu erschließen, um dabei die besondere Schönheit der Landschaft zu zeigen (sic!). „Der Hauptzweck dieser (touristischen) Reiserouten besteht darin, die natürliche und vom Menschen geschaffene Umwelt hervorzuheben „. Quelle: elektronisches Nachrichtenblatt e-thessalia.gr)

Genehmigt und im Bau befindlich ist jetzt das erste Teilstück mit einer Länge von 12,1 Kilometer zwischen Rakopotamos/Sklithro und Keramidi/Kamari. Die Kosten für dieses erste Teilstück belaufen sich auf ca. 15 Millionen Euro. Die Fortsetzung ist in Planung, nämlich von dort weiter durch den nahezu unbewohnten Teil des Pilion bis Zagora, Gesamtlange etwa 43 km.

Berichte über die Gegend hatte ich bereits in den vergangen Jahren im Blog beschrieben:

Ein Reisebericht von 2017 – holprige Wege nach Keramidi

Wiedersehen in Thessalien nach der Corona-Pause

Aufmerksamen Lesern des Blogs wird nicht entgangen sein: das Jahr 2020 fehlt. Der Corona-Epidemie ist diese Lücke zu verdanken. Ende August 2021: wir sind geimpft, elektronische Impfpässe haben wir mit, auch halten wir das griechische Einreiseformular (PLF) mit dem QR-Code bereit, den man nach einer längeren Online-Prozedur von der griechischen Einreisebehörde bekommt, bereit. Hier werden nicht nur persönliche Daten, Impfstatus oder Impfstatus erfasst, sondern auch Reiseziel mit Anschrift (die natürlich niemand kontrolliert) und die Daten der mitreisenden Personen. Dass „Corona“ nach wie vor ein Thema ist, bemerkt man bei den Durchsagen (Abstand halten) am Frankfurter Flughafen, auch werden Fluggäste bei Ein- und Ausstieg aufgefordert, Abstände einzuhalten. Das scheint jedoch nicht für den Flughafenbus zu gelten – wohlgemerkt: auf dem Frankfurter Flughafen. Hier werden die Fluggäste rücksichtslos wie Ölsardinen hineingezwängt. Da kann man nur beten, dass kein Infizierter durchgerutscht ist und seine Viren verbreitet.

Bis auf Kreta und die meisten griechischen Inseln  Griechenland (noch) nicht als Hochrisiko-Land – was sich täglich ändern kann, denn selbstverständlich steigen die Infektionszahlen hier genau so wie in Deutschland. Die Dynamik ist vergleichbar, die Zahl der zurückliegenden Erkrankungen ebenso wie die Zahl der Todesopfer (Aktuelle Zahlen gibt es beispielsweise hier).

Entwicklung der Infektionszahlen Covid19-Griechenland Stand 4. September 2021 Quelle www.corona-in-zahlen.de

5,9 % der knapp 10,3 Millionen starken Bevölkerung wurde in Griechenland bereits infiziert , von den Infizierten starben 2,3 % an der Krankheit. Beides Werte, die sich in etwa mit denen Deutschlands vergleichen lassen. 55,7 % der Bevölkerung (Stand 6. September 2021) haben vollständigen Impfschutz erhalten. Ein Wert, der sich etwa mit der Impfquote in Sachsen-Anhalt vergleichen lässt (56,3%). Auch zeigt die Impfung Wirkung: Weit über 90 Prozent der Covid-Patienten auf den Intensivstationen sind ungeimpft.

Auch die gesellschaftlichen Diskussionen weisen erstaunliche Parallelen auf: Während die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung die Infektionsgefahr ernst nimmt, sich an Regeln hielt (und hält), gibt es auch in Griechenland eine Bewegung von Querdenkern, Spinnern und Verschwörungstheortikern. Im Unterschied zu Deutschland wird die Spinnerfraktion aber nicht nur von Rechtsextremisten, sondern auch von „religiöse Fundamentalisten“ aus den Reihen der orthodoxen Kirche befeuert.

Nicht alle Kirchen wehren sich gegen Corona-Maßnahmen: an dieser Kirchentür wird ausdrücklich auf die Maskenpflicht hingewiesen.

Nicht alle Kirchen wehren sich gegen Corona-Maßnahmen: an dieser Kirchentür wird ausdrücklich auf die Maskenpflicht hingewiesen.

Jüngst entzündeten sich Proteste gegen „Zwangsimpfungen“: seit dem ersten September müssen sich Angestellte gegen Covid-19 impfen lassen. Wer sich weigert, bleibt zuhause und: erhält keinen Lohn. Das Gesetz findet bereits Anwendung.

Die steigenden Infektionszahlen veranlassen den Griechischen Staat zur Sorge: nachdem man – vor allem aus wirtschaftlichen Gründen – vor beginn der Tourismussaison massiv „gelockert“ hat, die Infektionszahlen in Folge unweigerlich in die Höhe schnellten (besonders unter Jugendlichen) will die Regierung nun die Zügel anziehen. Ab dem 13. September (da ist die Urlaubszeit auch in Griechenland weitgehend vorbei) gelten strengere Regeln. Ab dann müssen die Griechen die Corona-Tests selbst zahlen, die Kosten in Höhe von 10 Euro dürften jedoch nicht jeden abschrecken.  Im Freizeitbereich wird ausnahmslos die 2G-Regel gelten: Zutritt zu öffentlichen Veranstaltungen wie auch zu geschlossenen Räumen von Tavernen und Restaurants haben dann nur noch Geimpfte und Genesene, deren Infektion nicht länger als sechs Monate zurück liegt.
Auch der Druck auf ungeimpfte Arbeitnehmer wächst: Arbeitgeber dürfen Auskunft von ihren Mitarbeitern über ihren Impfstatus verlangen. Wer nicht geimpft ist, muss zwei mal die Woche zum Test.

150 Euro Prämie statt einer Bratwurst

Der Staat hält jedoch nicht nur die Peitsche bereit, um den Impfstatus der Bevölkerung zu verbessern. Insbesondere der niedrige Anteil Geimpfter unter Jugendlichen macht Sorge: es wird mit Prämien gelockt. Doch in Griechenland knausert man nicht, um die Jugend an die Spritze zu locken: mit der sprichwörtlichen Bratwurst wie in Thüringen lässt man sich nicht lumpen. Impfwillige im Alter zwischen 18 und 25 Jahren  erhalten Cash aufs Smartphone: Wer mindestens eine Impfung nachweist, den belohnt der Staat mit einem Guthaben von 150 Euro, und zwar direkt auf das Smartphone. Ganz beliebig verjuxen kann man das Geld jedoch nicht: mit dem Guthaben können die so Belohnten jedoch an staatlichen Einrichtungen bezahlen, etwa für Bahn- und Schiffstickets oder Eintrittskarten in Museen oder Konzerthäusern.

Dies soll jetzt aber kein Corona-Blog werden. Wie immer wollen wir mehr oder weniger zufällige und beiläufige Reisebeobachtungen schildern – dieses mal – auch Corona-bedingt, weil wir auf weiträumiges Umherreisen verzichten – beschränkt auf die Region Thessalien, den weiten Raum um Larissa, Aghia, Mavrovouni und dem Pilion. Im Alltagsleben ist „Corona“ sichtbar. Nicht nur, dass einer unserer Freunde seinen jungen Hütehund „Covid“ genannt hat. Da hält man besser Abstand.  In den meisten Geschäften, auch kleineren, wird die Maskenpflicht ziemlich konsequent eingehalten. Im Straßenbild trifft man viele, vorwiegend ältere Menschen an, die freiwillig auch draußen ihre Masken tragen, mehr als in Deutschland, das ist der subjektive Eindruck bislang. Ansonsten: die meisten Läden haben die diversen Lockdowns überlebt, das Strandleben scheint wie immer, die Tavernen sind gut besucht, im Innenbereich hält sich um diese Zeit im noch immer warmen Spätsommer ohnehin niemand auf, beim unweigerlichen Toilettengang durch das Lokal ziehen die meisten Gäste brav ihre Maske auf, das Personal serviert grundsätzlich auch draußen nur mit Gesichtsschutz.

Masken werden oft auch freiwillig getragen

Masken werden oft auch freiwillig getragen

Die letzten Tage in Thessalien

18. September 2019, Agiokampos.

Der diesjährige Aufenthalt geht dem Ende zu. Die letzten Tage haben wir ausführlich die Gegend um Mavrovouni und den Ossa erkundet und genossen. Für einen zusammenhängenden Bericht reicht das nicht, deshalb folgen in loser Reihenfolge einfach Bilder der letzen Tage. Der Sommer neigt sich erkennbar dem Ende zu, auch wenn es noch deutlich warm ist. Der sonst trubelnde Ferienort Agiokampos hat sich geleert. Wie immer haben Hunde und manchmal auch Angler Besitz von dem breiten Strand genommen. „Kalo Chimona“, einen „guten Winter“, wünscht man sich jetzt wieder, wenn es darum geht, Abschied zu nehmen. Die untergehende Sonne und das Abendrot taucht die Berge in eine feurige Glut, in der die langsam gelb werdenden Bäume noch einmal richtig aufleuchten.  Langsam beginnt die Apfelernte, die Bauern fahren leere blaue Obstkisten hinauf in die Berge. Der kleine Ort Agia hat sich mit Erntehelfern aus allen Ländern, vor allem aus Albanien gefüllt, ihnen steht eine harte und entbehrungsreiche Arbeit bevor. Die Apfelbäume an den teils hoch gelegenen, steilen Plantagen müssen von Hand einzeln abgeerntet werden und anschließend in die Kühlhäuser gebracht werden.

Wir verabschieden uns langsam von unseren Freunden, versprechen, uns spätestens im nächsten Jahr wiederzusehen. Halle ruft aus der Ferne. Der Ernst des Lebens hat auch die Kinder nach dem langen Sommer wieder eingeholt: seit einer Woche haben die Schulen wieder angefangen.

Eine besonders harte Zeit erwartet jetzt die Abiturienten.  Sie müssen nicht nur das Gymnasium erfolgreich absolvieren und damit  (theoretisch) die Hochschulreife mit dem Abitur erlangen, sondern auch die Universitätseingangsprüfung bestehen. Denn vor der Aufnahme an die Universitäten hat der Staat Eingangsprüfungen gesetzt: die sind hart, und im europäischen Maßstab eine der Härtesten überhaupt. Das Niveau des griechischen Abiturs ist etwa mit dem des deutschen Abiturs vergleichbar – doch die universitären Eingangsprüfungen verlangen weitaus mehr. In unserem Kreise bekommen wir Einblick auf das, was beispielsweise für eine Eingangsprüfung für das Fach Medizin verlangt wird: Es ist das Niveau des Stoffes, das in Physik und Chemie beispielsweise im 1. und 2. Semester an der Uni gelernt wird, oder in den gymnasialen Leistungskursen. Um die Prüfungen zu schaffen, gibt es in Griechenland so genannte „Frontistiria“. Das sind private „Aufbauschulen“, vielleicht am ehesten mit einem amerikanischen „College“ vergleichbar, die die Kinder parallel zur Schule besuchen. Hier werden die jungen Leute auf die Prüfungen, die im Mai stattfinden werden, gepaukt. Neben dem Stress kostet das Ganze auch noch eine enorme Stange Geld, monatlich um die 1500,- Euro. Das müssen die Angehörigen privat aufbringen: im Ergebnis führt das zu einer ungeheuren sozialen Selektion im Bildungswesen.  20190829_183037

 

Wenn die Technik streikt

In letzter Zeit sind die Berichte etwas rar geworden. Das hat Ursachen. Dieses Gefühl, du sitzt abends bei einem Bier auf der Terrasse, das Meer rauscht, sortierst Fotos, willst etwas schreiben, kurz durch das Netz surfen, und dann das: Windows 10 beschließt, ohne meine Erlaubnis – ein Update zu machen. Einfach so. Du starrst auf einen Himmelblauen Bildschirm, auf dem sich ein paar Kullern im Kreise drehen. „Dies kann eine Zeit dauern“, meldet die Firma von Bill Gates. Ok, ist jetzt nervig.  Aber immerhin wird ja der Fortschritt in Prozenten angezeigt. Allerdings verlangsamt der sich, bleibt nach zwei Stunden stehen, bei 27% hört der Fortschritt auf. Ende, aus, nichts; nachts um Elf. Um Mitternacht: 27% Fortschritt. „Schalten Sie den Computer nicht aus“. Googeln mit dem Handy. Tausend Ratschläge, die reihen von: einfach bis zu 24 Stunden warten, bloß nicht ausschalten, usw. Oder Kaltstart versuchen. Nach einer Stunde: Es reicht: Ausschalttaste gaanz lange gedrückt, voller Wut.  Kurzerhand den Laptop ins Meer schmeißen? Keine Option, wg.  Plastikmüll.  Jetzt ist der Bildschirm schwarz, wie die Nacht über dem rauschenden Meer. Ein Zeichen? „Vorgenommene Änderungen werden rückgängig gemacht“, schreibt eine Engelshand auf den schwarzen Bildschirm. Ab ins Bett. Am nächsten Tag ist wieder alles OK. Ein Wunder.

Voller Freude beschließen wir, einen Ausflug in die Umgebung zu machen. In Kanalia, wo wir den See und seine Geschichte noch einmal genauer untersuchen wollen, stottert der Motor des alten Toyota. Die Zündung ist ausgefallen, der Strom geht weg. An diesem verlassenen Ort gibt es praktisch nichts, was uns weiterhelfen kann, die Akuladung des Handys steht auf halb ….

In Kastri ist an einem Sonntag morgen nicht wirklich viel los.

In Kastri ist an einem Sonntag morgen nicht wirklich viel los.

Kann alles nicht wahr sein. Schlechter Traum? Nochmal Schlüssel rumdrehen. Die Karre springt an. Vielleicht hätten wir das kleine Ausrufezeichen und das Batteriesymbol, das schon eine Zeit lang leuchtete, etwas ernster nehmen sollen. Aber OK, vielleicht schaffen wir es bis in den nächsten größeren Ort, Agia, das ist ja nur 20 km entfernt. Nach 5 Kilometern: Ende der Fahnenstange. Der Motor stottert wieder, aus. In der Ferne geht langsam die Sonne über der wunderschönen Ebene und den dahinter sich schattenhaft abzeichnenden Bergen unter. Das sind Situationen in der realen Welt, in denen man nicht einfach auf die Reset-Taste drücken kann. Noch ein Versuch, und wir schaffen es immerhin bis nach Kalamaki. Auch hier nichts, was wirklich nach Hilfe aussieht.  Wir versuchen, den griechischen ADAC anzurufen. Die Zentrale des „Express-Service“ in Larissa meldet sich. Man bietet Abschleppen nach Larissa an, drei Stunden sollen wir warten, mit ca. 200 Euro Kosten müsse man rechnen. Keine wirklich gute Option. Anruf bei unseren Freunden. „Ich komme vorbei“, verspricht unser Freund. Nach einer halben Stunde ist er aus Platikampos, einem Vorort von Larissa, tatsächlich in Kalamaki. In der Zwischenzeit haben wir uns auch an den hier ansässigen Tankstellenbesitzer gewandt. Er ist hilfsbereit, ruft wiederum einen befreundeten Elektriker an, aber an dem Wochenende ist er ausgeflogen.  Mittlerweile ist es fast dämmrig, unser Freund kommt, er hat Starthilfekabel dabei. Er vermutet eine Schaden an der Lichtmaschine (was sich später als richtig erweisen sollte). Er lädt die Batterie ein wenig auf in Erwartung, dass wir vielleicht so zurück in die Zivilisation kommen. Nach etwa 2-3 Kilometern wieder Ausfall, wieder aufladen, und so hoppeln wir in Kolonne von einem Dorf ins nächste.  Unser lieber Freund ist derweil nicht untätig, ruft seinerseits Bekannte an, irgendwann findet er einen KFZ-Mechaniker aus Galini – er rät uns, die Karre am nächsten Ort (es ist Kastri, ein gottverlassenes Nest unterhalb der Resten einer byzantinischen Burg) stehen zu lassen. Unsere Freunde nehmen uns mit. Am nächsten Tag fahren wir wieder hinaus nach Kastri, wo nach einiger Zeit auch der KFZ-Mechaniker kommt. Ein junger Mann , zupackend, hilfsbereit. Mittels einer mitgebrachten neuen Batterie schaffen wir es bis zu seiner Werkstatt in Galini. Den gesamten Tag (wohlgemerkt Sonntag) wie auch den Tag drauf bemüht er sich um die Lichtmaschine, baut sie auseinender, recherchiert Ersatzteile, schraubt und kümmert sich. Dann die Nachricht: alles fertig.  Übrigens zu einem Preis, der beschämend niedrig ist, für die unglaubliche Arbeit, die der Mensch sich gemacht hat. Für uns, die er allenfalls über zehn Ecken herum kennt. Dabei braucht er sich keinesfalls über eine schlechte Auftragslage zu beklagen: seine Kunden sind vorwiegend Landwirte, deren Landmaschinen und „Agrotika“ (meistens auch alte Toyota-Pickups) gerade jetzt, zur Erntezeit, genügend Probleme bereiten. Sein Hof steht voll von zu behandelnden „Patienten“. Auch Menschen wie der Mechaniker Emilio sind Helden, die das immer wieder strauchelnde Griechenland am Leben erhalten.

 

„Ever change a running system“: generationsübergreifendes Gefummel an der Natur. Der Karla-See als mahnendes Beispiel.

Wenn man von den Höhen des Ossa südwestlich oder von denen von  Mavrovouni westlich in die ausgedehnte Thessalische Tiefebene blickt, sieht man zwischen den rechtwinkligen Flickenteppichen der landwirtschaftlichen Felder neuerdings in der Sonne ebenso kantig umrissene, silbrig glänzende Wasserflächen aufblitzen. Sie gehören zu einem ökologischen Großprojekt, das im Jahre 1988 mit Hilfen der EU gestartet wurde und immer noch anhält. Es ist der Versuch, einen einst weitläufigen natürlichen See, der in seiner größten Ausdehnung ein gutes Drittel der Thessalischen Ebene ausgefüllt hatte, und über den schon Homer berichtete, wieder herzustellen. Seit 1988 und bis zum letzten Herbst 2018 haben unzählige Bulldozer und Lastwagen, gewaltige Staubfahnen über die trocken Landschaft hinter sich herziehend, kilometerlange Dämme errichtet.   Ein gewaltiger Aufwand, den die EU mit insgesamt 100 Millionen Euro unterstützt hat.

Noch eine knappe Generation vorher, im Jahre 1962, hatte man eine große, vermeintliche Errungenschaft gefeiert: den See trocken zu legen, um die Malaria zu bekämpfen, und Land für die so wiederum arbeitslos gewordenen Fischer zu gewinnen. Das alles ist  schief gegangen, an der Beseitigung der Konsequenzen arbeitet man bis heute. Im Oktober letzten Jahres wurde am Ortsrand des Dorfes Kanalia (s. Karte) mit EU-Mitteln ein ansehnliches Besucherzentrum eröffnet, das nicht nur über die laufenden Rekultivierungsmaßnahmen des Sees informiert, sondern auch über seine geologischen Hintergründe, die Kulturgeschichte und Ökologie.

Doch der Reihe nach: Seit dem Ende der letzten Eiszeit entwässert die Thessalische Ebene in Richtung Nordosten zwischen dem Ossa- und dem Olymp-Massiv durch das tief eingeschnittene Tempi-Tal ins Meer. Allerdings geriet die Ebene durch tektonische Hebungs- und Senkungsbewegungen in der Folge in Schieflage. Der Beckenboden kippte leicht in Richtung Osten ab, wodurch sich nun der tiefste Punkt der Ebene am Rand des Mavrovouni-Gebirgszuges befand. Hier sammelte sich das Wasser, das nicht mehr komplett zum Meer hin abfließen konnte, genährt durch die Hochwässer des Pinios als auch von abfließenden Wassern des Westhanges von Mavrovouni.  Das kann man sich vorstellen, wie bei einem Gulli, der nicht an der tiefsten Stelle eines gepflasterten Platzes liegt, da  bildet sich schon eine Pfütze. Jahreszeitliche und klimatische Schwankungen bedingten einen ständig wechselnden Wasserstand und damit auch die Ausdehnung des relativ flachen Sees. Zeitweise deckte er fast ein Drittel der thessalischen Ebene ab.

In Jungsteinzeit und Bronzezeit entstanden hier erste Siedlungen, die Anwohner nutzten offenbar schon damals den Fischreichtum der schilfbestandenen flachen Seenplatte.  In der Antike nannte man den See  Βοιβηίς (Aussprache altgr. Böbeis, später Woiwis).  Zentrum der Region war in der Antike die Stadt Pherai, das heutige Velestino. In der Spätantike nahm die wirtschaftliche Bedeutung von Pherai ab, viele Nachfahren der Einwohner jedoch verteilten sich in der Folge um den See herum, betrieben weiter vor allem Fischfang. Von der kulturellen Bedeutung der Region noch im byzantinischen Mittelalter zeugen sowohl archäologische Grabungen als auch eine in der Nähe von Kanalia erhaltene byzantinische Kirche Agios Nicolaus aus dem 13. Jahrhundert. Wann der Name „Karla-See“ entstand, ist mir bisher unerschlossen geblieben, es soll wohl im Mittelalter gewesen sein, wann und wie, muss nachrecherchiert werden.

 

Der ständig wechselnde Wasserstand des Sees führte zu einer besonderen Wirtschaftsweise der Fischer: sie errichten runde Arbeitsplattformen im See, die auf hölzernen Stacken gegründet waren, die man in den Seeboden rammte. Mittels in Massen im und am See vorhandene Schilfbündeln errichteten sie darauf  eine Arbeitsebene, in deren Mitte, wiederum aus Holzstaken und Schilf eine runde Schutzhütte entstand, in der mehrere Menschen zeitweise lebten, schliefen und arbeiteten. Mit flachen Steinen wurde in der Mitte der Hütte eine kleine Herdstelle errichtet. Diese Wirtschaftsweise bestand noch bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, wovon viele Fotos in der Ausstellung des Informationszentrums zeugen.
Man darf sich das Leben dieser Fischer am und auf dem See jedoch nicht allzu idyllisch vorstellen. Malaria-Epidemien waren an der Tagesordnung, obwohl seit den 1920-er Jahren zumindest in den Industrieländern Antibiotika zur Verfügung standen. Dennoch  setzte man in vielen Ländern des Mittelmeerraums auf wirksame, radikale und flächendeckende Methoden. Sie bestanden in der großflächigen Anwendung auch für den Menschen hochgiftiger Insektizide wie DDT. In der Ausstellung werden Fotos Malariakranker Kinder gezeigt, aber auch, wie Einsatzkräfte in den Häusern der Landwirte und Fischer beherzt DDT aus großen Druckflaschen versprühen, und Flugzeuge, die den giftigen Nebel über den See und die angrenzenden Felder verteilen. Im Jahr 1962 griff man zu einer noch radikaleren Methode: man beschloss den See auszutrocknen, was mittels eines geregelten Kanal- und Schleusensystems geschah, das man mit dem Pinios verband.

Was man sich neben dem lokalen Verschwinden der Mücken erhoffte, war fruchtbares Land zu gewinnen, das man an die nun arbeitslos gewordene Fischer verteilte. Das misslang jedoch in verschiedener Hinsicht.

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Zunächst erwies sich der ausgetrocknete Seegrund als keineswegs so fruchtbar, wie es der seit Urzeiten landwirtschaftlich genutzte übrige Boden der Thessalischen Tiefebene, der Kornkammer Griechenlands, gewesen ist. Der kalkige Seegrund, versetzt mit viel grobem Schotter, band viele Nährstoffe, ließ kaum Humus entstehen und trocknete im Sommer rasch aus. Zudem versalzte er. Man kann dies an vielen brachliegenden Landwirtschaftsflächen sehen, die heute ringsum des wieder entstanden Sees brach liegen. Die landwirtschaftlich unerfahrenen Fischer verpachteten zudem das ihnen zugeteilte Ackerland oft an Großgrundbesitzer und fanden sich bald als Tagelöhner auf ihren eigenen Flächen wieder. Heute ist die Gegend, wenn sie denn bewirtschaftet wird, zumeist von Mandelbäumen bestanden, die offenbar noch am besten auf dem Seeschotter gedeihen.  Die Absenkung des Grundwassers, die durch die Trockenlegung des Karla-Sees hervorgerufen wurde, verschärfte sich zunehmends, als der Baumwollanbau im Norden der Thessalischen Ebene Fahrt aufnahm. Um die durstigen Plantagen zu bewässern, wurde  und wird  bis heute Grundwasser angezapft, was den Wasserhaushalt und die Versalzung von Grundwasser und Böden weiter beschleunigt.  Seit den 1980-er Jahren hat man das Problem erkannt. 1988 begann man, einen großen Plan umzusetzen, der seit letztem Jahr einen vorläufigen Abschluss fand. Man lässt den See wieder neu entstehen. Wieder wurden gewaltige Wasserbauwerke geplant, Schleusen gebaut, Dämme errichtet. Das wurde notwendig, weil man nicht mehr die gesamte Fläche des Sees rekonstruieren kann – das hätte Enteignungen und sogar die Umsiedlung einiger der seit der Trockenlegung neu entstanden Ortschaften zu Folge gehabt. Also trennte man Flächen mit langen Erd- und Steinwällen  von der Ebene ab. Die größte eingedämmte Fläche, der Neue Karla- See, liegt bei der Ortschaft Kanalia, und umfasst etwa 50 Quadratkilometer der ursprünglichen 180 Quadratkilometer Fläche. Vergleichsweise kleine Seenester sind zudem nördlich davon bei Kalamaki und Elevtherio entstanden. Verbunden sind sie durch eingedeichte Kanäle mit dem Flusssystem des Pinios. Die Rekonstruktion des Sees dient dabei keinesfalls nur der Wiederherstellung von Flora und Fauna; auch eine Wiederbelebung der Fischwirtschaft ist nicht das eigentliche Motiv. Es geht überwiegend darum, der ständig immer fortschreitenden Wasserknappheit entgegen zu wirken, die wiederum durch die intensive Landwirtschaft im Norden der Ebene verschärft wird. Das Wassermanagement in Thessalien ist also ein generationsübergreifendes Projekt, bei dem man ausrufen möchte: Never change a running System.

 

Daten zum Besucherzentrum:

 Kanalia 385 00, Greece

 +30 24210-58659

 sotiris@boebes-karla.gr

 www.boebes-karla.gr

Öffnungszeiten  
  •  Täglich auf Anfrage
  •  Sonntag 11:00-14:00

Das Muschelhaus von Opa Sotiris

Einer der kleine Orte im Pinios-Delta trägt einen vielversprechenden Namen: Paläopyrgos, „alte Burg“.  Doch hier steht keine niederrheinische Wasserburg. Nur ein paar flache Häuser, ein Schule, ein Kindergarten, eine eigentlich ziemlich triste Siedlung. Kaum eine Menschenseele sichtbar, nur ein paar Hunde, die sich auf dem warmen Asphalt fläzen und aufgeregt jedem der selten Autofahrer hinterherjagen. Der unerwartete bizarre Anblick eines seltsamen Gebildes verleitet uns hier zur Vollbremsung.

Ein bizarres buntes „Etwas“, offensichtlich von Menschenhand gestaltetes Werk.  Langsam löst es sich auf, ein Haus, eine Gartenmauer, viele Türmchen, Tore, merkwürdige Gegenstände, die hier mit viel Farbe zusammengefügt wurden. Und überall Muscheln. Jemand hat sein kleines Haus, dann die Gartenmauer, dann alles, was sich drumherum nicht wehren konnte, mit Draht, viel Zement und ganz vielen Muscheln übersät. Wie eine überdimensionierte Strandburg. Die Muscheln sind zu Formen zusammengesetzt, mit Farbe umrandet, dreidimensionale Mosaike. Wir sehen Olympische Symbole, die Flaggen und Wahrzeichen vieler  Nationen, und immer wieder Hinweise auf ein „Vereintes Europa“, Motive aus aller Welt, aus Beton und Muscheln geformt. Der Hof, der Grill, alles ist ein Gesamtkunstwerk, dazwischen muschelgerahmte alte Fotos. Verwirrt, neugierig, aber auch respektvoll gegenüber diesem von naiver Gestaltungslust beseelten Schöpfers tasten wir uns heran, machen verstohlen Fotos. Im Hof sitzt ein bärtiger, betagter Mann, wie ein Schmuck-Eremit. Er nimmt uns wahr, und wir nehmen allen Mut zusammen, und fragen, was das sei, ob er das gemacht habe. Sicher sind wir nicht die ersten, und er taut erst langsam auf. All das habe er, mittlerweile 87 Jahre alt, er nennt sich Opa Sotiris, in den letzten Jahren geschaffen. Er interessiert sich für die Olympische Idee, für Europa, für Griechenland, und überhaupt für alles, und er habe irgendwann angefangen, seine Bilder im Kopf umzusetzen. In Muscheln, die er in Beton und Fliesenkleber drückt, auf selbst geflochtene Eisengeflechte. Es sei im Laufe der Zeit halt immer mehr geworden. Die Muscheln hat er im Laufe der Jahre selber gesammelt . Wie ein alter Mann so viele Muscheln zusammenbekommt, ist schon an sich bewundernswert, dann dieser Gestaltungswille. Das, was er geschaffen hat, erinnert in vieler Hinsicht an den – posthum berühmt gewordenen Ruhrgebietskünstler Erich Bödecker.  Meister Sotiris erläutert uns Einzelheiten seins Bildprogramms. So seine Griechenlandkarte. Eindeutig zu erkennen sind die Finger der Chalkidiki, dann drängt sich doch alles weitere sehr reduziert, bedingt durch den Platz, der auf der Mauer zur Verfügung steht, doch etwas auseinander. Kreta musste er dann nebenan „malen“ („malen“ nennt er den Prozess des polychromen Muschelsetzens).  Für einen Schöpfer wie Sotiris ist Plattentektonik kein Tabu. Neben Olympia faszinieren ihn als Motiv der der Völkerverständigung auch Brücken, von denen er sehr viele, besonders Europäische, in sein Kunstwerk eingebaut hat. Er werde weiter arbeiten, sagt er, solange seine „Maschine“, und dabei zeigt er auf sein Herz, noch funktioniere. Er möchte etwas schaffen, sagt er, was bleibt, wenn er einmal nicht mehr ist. Das könne ja jederzeit sein.  Hinter ihm her trottet sein orange-weißer Kater, der offenbar auch schon viel durchgemacht hat, er verfolgt unser Interview mit würdigem Blick, auch er schon sehr betagt. Dabei hat Sotiris viel vor. Gerade hat er den Rohbau eines Baumhauses fertig gestellt. Und was für eines: Auf Stahlrohren und den schweren Stämmen mehrerer Bäume seines Gartens hat er ca. 20 Quadratmeter Wohnfläche geschaffen, ein wirklicher „Pyrgos“, eine Burg. „Beide Zimmer mit umlaufenden Balkon“, sagt er stolz, und führt und die wirklich massive Leiter vor. Entschuldigend, angesichts der noch rohen Iso-Platten sagt er: „das bleibt nicht so, das werde ich auch noch ausmalen“.

Wenn er mal nicht mehr sei : Griechenland werde bleiben. Vielleicht bekommen es andere Machthaber. Vielleicht auch die Türken, wie schon einmal. Das sei ihm egal. Denn Griechenland wird immer fortbestehen: „Alle wollen es haben, weil sie es lieben“.

Was wir erst im Nachhinein bei der Netz-Recherche erfahren: Sotiris hatte schon einmal einen schweren Rückschlag mit seinem Muschelhaus erfahren: im Jahr 2016 brannte es ab, wie Larissa-net.gr damals berichtete. Der überwiegende Teil seines Muschelwerkes überstand aber die Hitze des Brandes, und Tags darauf verkündete Sotiris, nicht aufgeben zu wollen, und baute es wieder auf.  Der Kater hatte das Feuer auch überlebt, auf Larissa.net  sieht man ihn, wie er unversehrt in den Trümmern sitzt.

 

 

 

Im Pinios-Delta: niederländische Landschaft mit Sandstrand vor Hochgebirgskulisse

Nur  Modelleisenbahner kommen auf die Idee, vollkommen widersprüchliche Landschaftselemente zu einem Bild zusammenzufügen. Was sie zuweilen zusammenbringen, existiert in Griechenland vollkommen real: dazu muss man lediglich ins Pinios-Delta fahren, dorthin, wo der Fluss Pinios sich, nachdem er durch die Tempi-Schlucht zwischen dem Ossa-und dem Olymp – Massiv hindurchgezwängt hat, sich in einem breiten und flachen Flussdelta erleichtert, bevor er sich, nun vollkommen ausgeruht, ins Meer ergießt.

Jedoch nur dann, wenn er nach langen Regenfällen so viel Wasser führt, dass seine dann trüben Fluten tatsächlich das Meer erreichen. Jetzt, im Spätsommer, führt er nur wenig Wasser, das dafür aber verhältnismäßig sauber und türkisfarben erscheint.

Ganz ruhig bildet er verzweigte, ruhige, fast stehende Arme aus, wie eine Krake, deren blaugrüne Finger durch ein grünes Flussdelta in Richtung Meer ausmäandrieren. Aus den Bergen hat d Fluss kostbare Fracht mitgebracht: fruchtbaren Schlamm hat er in dem Flachland ausgebreitet, wo heute Kühe und Schafe weiden.

 

Baumbestanden sind die unzähligen Nebenarme, zwischen denen sich die  liebliche flache Landschaft ausbreitet. Sie erinnert an niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts, es fehlen nur noch die Windmühlen. Der gut 20 Kilometer breite Schwemmlandfächer bildet dort, wo er in einem erosiven Dialog mit der Meeresbrandung eintritt, einen – für Griechenland seltenen Sandstrand, teils sogar unter Ausbildung schmaler Dünenfelder. Der Sand ist weiß und weich, doch leider nicht so sauber, wie man es von der Nord- und Ostseeküste erwarten kann.

Der leider immer wieder anzutreffende Plastikmüll zwischen den Dünenkräutern trübt das Auge ein wenig, das aber sogleich wieder entschädigt wird, wendet man sich vom Meer ab, und wirft den Blick hinter sich: dort türmt sich eine eindrucksvolle „Alpenkulisse“ auf, das Massiv des Ossa zur linken, das des Olymp zur rechten, davor die türkisfarbenen, schilfbestandenen, stehenden Gewässer des Pinios. Stomio, der größte der Orte hier, dessen Häuser, halb im Berghang des Ossa, halb sich zum Strand an der Südecke des Deltas verteilen, ist ein beschauliches Kleinstädtchen mit gut 500 Einwohnern, einer 200 Meter langen Fußgängerzone im Ortskern und einer etwa ein Kilometer langen Strandpromenade. Die Gemeinde wirbt für Fahrradstraßen, deren Netz zu Ausflügen durch „Griechisch-Flandern“ einlädt.  Touristisch ist die Gegend dennoch glücklicherweise eher gering entwickelt. Noch bescheidener nimmt sich der kleine Ort Alexandrini aus, eine „Strandkolonie“, die mit ihren bescheiden Häuschen streckenweise an eine bessere DDR-Feriensiedlung erinnert. Prunk und Protz vermisst man hier wohltuend. Dabei gibt es hier sogar noch Grundstücke, die sich sowohl Flussufer als auch Meeresstrand teilen. Bevölkert wird der Ort hier vornehmlich von älteren Herrschaften, die sich hier ein bezahlbares Idyll mit viel Eigenleistung und Idealismus geschaffen haben. Kein Strandcafe, keine Disko. Hier will man gerne unter sich bleiben. Hoffentlich bleibt das auch so. Der Strand wie auch die Flussufer sind bei Anglern beliebt, die , wie man verzweifelt von privater Hand aufgestellten Schildern entnehmen darf, ihre Freunde bitten, doch wenigstens den Müll wieder mitzunehmen. Am Ufer der Flüsse dümpeln Ruderboote und kleine Fischerhütten. Und allen ist anzumerken: bitte, stört uns hier nicht, lasst uns ein wenig unentdeckt…

Von einer Entdeckung müssen wir denn doch noch berichten, das darf man nicht geheim halten : Opa Sotiris Muschelhaus (Nächste Seite)

Übersicht über das Pinios-Delta (Google-Maps)

Übersicht über das Pinios-Delta (Google-Maps)