Die letzten Tage in Thessalien

18. September 2019, Agiokampos.

Der diesjährige Aufenthalt geht dem Ende zu. Die letzten Tage haben wir ausführlich die Gegend um Mavrovouni und den Ossa erkundet und genossen. Für einen zusammenhängenden Bericht reicht das nicht, deshalb folgen in loser Reihenfolge einfach Bilder der letzen Tage. Der Sommer neigt sich erkennbar dem Ende zu, auch wenn es noch deutlich warm ist. Der sonst trubelnde Ferienort Agiokampos hat sich geleert. Wie immer haben Hunde und manchmal auch Angler Besitz von dem breiten Strand genommen. „Kalo Chimona“, einen „guten Winter“, wünscht man sich jetzt wieder, wenn es darum geht, Abschied zu nehmen. Die untergehende Sonne und das Abendrot taucht die Berge in eine feurige Glut, in der die langsam gelb werdenden Bäume noch einmal richtig aufleuchten.  Langsam beginnt die Apfelernte, die Bauern fahren leere blaue Obstkisten hinauf in die Berge. Der kleine Ort Agia hat sich mit Erntehelfern aus allen Ländern, vor allem aus Albanien gefüllt, ihnen steht eine harte und entbehrungsreiche Arbeit bevor. Die Apfelbäume an den teils hoch gelegenen, steilen Plantagen müssen von Hand einzeln abgeerntet werden und anschließend in die Kühlhäuser gebracht werden.

Wir verabschieden uns langsam von unseren Freunden, versprechen, uns spätestens im nächsten Jahr wiederzusehen. Halle ruft aus der Ferne. Der Ernst des Lebens hat auch die Kinder nach dem langen Sommer wieder eingeholt: seit einer Woche haben die Schulen wieder angefangen.

Eine besonders harte Zeit erwartet jetzt die Abiturienten.  Sie müssen nicht nur das Gymnasium erfolgreich absolvieren und damit  (theoretisch) die Hochschulreife mit dem Abitur erlangen, sondern auch die Universitätseingangsprüfung bestehen. Denn vor der Aufnahme an die Universitäten hat der Staat Eingangsprüfungen gesetzt: die sind hart, und im europäischen Maßstab eine der Härtesten überhaupt. Das Niveau des griechischen Abiturs ist etwa mit dem des deutschen Abiturs vergleichbar – doch die universitären Eingangsprüfungen verlangen weitaus mehr. In unserem Kreise bekommen wir Einblick auf das, was beispielsweise für eine Eingangsprüfung für das Fach Medizin verlangt wird: Es ist das Niveau des Stoffes, das in Physik und Chemie beispielsweise im 1. und 2. Semester an der Uni gelernt wird, oder in den gymnasialen Leistungskursen. Um die Prüfungen zu schaffen, gibt es in Griechenland so genannte „Frontistiria“. Das sind private „Aufbauschulen“, vielleicht am ehesten mit einem amerikanischen „College“ vergleichbar, die die Kinder parallel zur Schule besuchen. Hier werden die jungen Leute auf die Prüfungen, die im Mai stattfinden werden, gepaukt. Neben dem Stress kostet das Ganze auch noch eine enorme Stange Geld, monatlich um die 1500,- Euro. Das müssen die Angehörigen privat aufbringen: im Ergebnis führt das zu einer ungeheuren sozialen Selektion im Bildungswesen.  20190829_183037

 

„Ever change a running system“: generationsübergreifendes Gefummel an der Natur. Der Karla-See als mahnendes Beispiel.

Wenn man von den Höhen des Ossa südwestlich oder von denen von  Mavrovouni westlich in die ausgedehnte Thessalische Tiefebene blickt, sieht man zwischen den rechtwinkligen Flickenteppichen der landwirtschaftlichen Felder neuerdings in der Sonne ebenso kantig umrissene, silbrig glänzende Wasserflächen aufblitzen. Sie gehören zu einem ökologischen Großprojekt, das im Jahre 1988 mit Hilfen der EU gestartet wurde und immer noch anhält. Es ist der Versuch, einen einst weitläufigen natürlichen See, der in seiner größten Ausdehnung ein gutes Drittel der Thessalischen Ebene ausgefüllt hatte, und über den schon Homer berichtete, wieder herzustellen. Seit 1988 und bis zum letzten Herbst 2018 haben unzählige Bulldozer und Lastwagen, gewaltige Staubfahnen über die trocken Landschaft hinter sich herziehend, kilometerlange Dämme errichtet.   Ein gewaltiger Aufwand, den die EU mit insgesamt 100 Millionen Euro unterstützt hat.

Noch eine knappe Generation vorher, im Jahre 1962, hatte man eine große, vermeintliche Errungenschaft gefeiert: den See trocken zu legen, um die Malaria zu bekämpfen, und Land für die so wiederum arbeitslos gewordenen Fischer zu gewinnen. Das alles ist  schief gegangen, an der Beseitigung der Konsequenzen arbeitet man bis heute. Im Oktober letzten Jahres wurde am Ortsrand des Dorfes Kanalia (s. Karte) mit EU-Mitteln ein ansehnliches Besucherzentrum eröffnet, das nicht nur über die laufenden Rekultivierungsmaßnahmen des Sees informiert, sondern auch über seine geologischen Hintergründe, die Kulturgeschichte und Ökologie.

Doch der Reihe nach: Seit dem Ende der letzten Eiszeit entwässert die Thessalische Ebene in Richtung Nordosten zwischen dem Ossa- und dem Olymp-Massiv durch das tief eingeschnittene Tempi-Tal ins Meer. Allerdings geriet die Ebene durch tektonische Hebungs- und Senkungsbewegungen in der Folge in Schieflage. Der Beckenboden kippte leicht in Richtung Osten ab, wodurch sich nun der tiefste Punkt der Ebene am Rand des Mavrovouni-Gebirgszuges befand. Hier sammelte sich das Wasser, das nicht mehr komplett zum Meer hin abfließen konnte, genährt durch die Hochwässer des Pinios als auch von abfließenden Wassern des Westhanges von Mavrovouni.  Das kann man sich vorstellen, wie bei einem Gulli, der nicht an der tiefsten Stelle eines gepflasterten Platzes liegt, da  bildet sich schon eine Pfütze. Jahreszeitliche und klimatische Schwankungen bedingten einen ständig wechselnden Wasserstand und damit auch die Ausdehnung des relativ flachen Sees. Zeitweise deckte er fast ein Drittel der thessalischen Ebene ab.

In Jungsteinzeit und Bronzezeit entstanden hier erste Siedlungen, die Anwohner nutzten offenbar schon damals den Fischreichtum der schilfbestandenen flachen Seenplatte.  In der Antike nannte man den See  Βοιβηίς (Aussprache altgr. Böbeis, später Woiwis).  Zentrum der Region war in der Antike die Stadt Pherai, das heutige Velestino. In der Spätantike nahm die wirtschaftliche Bedeutung von Pherai ab, viele Nachfahren der Einwohner jedoch verteilten sich in der Folge um den See herum, betrieben weiter vor allem Fischfang. Von der kulturellen Bedeutung der Region noch im byzantinischen Mittelalter zeugen sowohl archäologische Grabungen als auch eine in der Nähe von Kanalia erhaltene byzantinische Kirche Agios Nicolaus aus dem 13. Jahrhundert. Wann der Name „Karla-See“ entstand, ist mir bisher unerschlossen geblieben, es soll wohl im Mittelalter gewesen sein, wann und wie, muss nachrecherchiert werden.

 

Der ständig wechselnde Wasserstand des Sees führte zu einer besonderen Wirtschaftsweise der Fischer: sie errichten runde Arbeitsplattformen im See, die auf hölzernen Stacken gegründet waren, die man in den Seeboden rammte. Mittels in Massen im und am See vorhandene Schilfbündeln errichteten sie darauf  eine Arbeitsebene, in deren Mitte, wiederum aus Holzstaken und Schilf eine runde Schutzhütte entstand, in der mehrere Menschen zeitweise lebten, schliefen und arbeiteten. Mit flachen Steinen wurde in der Mitte der Hütte eine kleine Herdstelle errichtet. Diese Wirtschaftsweise bestand noch bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, wovon viele Fotos in der Ausstellung des Informationszentrums zeugen.
Man darf sich das Leben dieser Fischer am und auf dem See jedoch nicht allzu idyllisch vorstellen. Malaria-Epidemien waren an der Tagesordnung, obwohl seit den 1920-er Jahren zumindest in den Industrieländern Antibiotika zur Verfügung standen. Dennoch  setzte man in vielen Ländern des Mittelmeerraums auf wirksame, radikale und flächendeckende Methoden. Sie bestanden in der großflächigen Anwendung auch für den Menschen hochgiftiger Insektizide wie DDT. In der Ausstellung werden Fotos Malariakranker Kinder gezeigt, aber auch, wie Einsatzkräfte in den Häusern der Landwirte und Fischer beherzt DDT aus großen Druckflaschen versprühen, und Flugzeuge, die den giftigen Nebel über den See und die angrenzenden Felder verteilen. Im Jahr 1962 griff man zu einer noch radikaleren Methode: man beschloss den See auszutrocknen, was mittels eines geregelten Kanal- und Schleusensystems geschah, das man mit dem Pinios verband.

Was man sich neben dem lokalen Verschwinden der Mücken erhoffte, war fruchtbares Land zu gewinnen, das man an die nun arbeitslos gewordene Fischer verteilte. Das misslang jedoch in verschiedener Hinsicht.

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Zunächst erwies sich der ausgetrocknete Seegrund als keineswegs so fruchtbar, wie es der seit Urzeiten landwirtschaftlich genutzte übrige Boden der Thessalischen Tiefebene, der Kornkammer Griechenlands, gewesen ist. Der kalkige Seegrund, versetzt mit viel grobem Schotter, band viele Nährstoffe, ließ kaum Humus entstehen und trocknete im Sommer rasch aus. Zudem versalzte er. Man kann dies an vielen brachliegenden Landwirtschaftsflächen sehen, die heute ringsum des wieder entstanden Sees brach liegen. Die landwirtschaftlich unerfahrenen Fischer verpachteten zudem das ihnen zugeteilte Ackerland oft an Großgrundbesitzer und fanden sich bald als Tagelöhner auf ihren eigenen Flächen wieder. Heute ist die Gegend, wenn sie denn bewirtschaftet wird, zumeist von Mandelbäumen bestanden, die offenbar noch am besten auf dem Seeschotter gedeihen.  Die Absenkung des Grundwassers, die durch die Trockenlegung des Karla-Sees hervorgerufen wurde, verschärfte sich zunehmends, als der Baumwollanbau im Norden der Thessalischen Ebene Fahrt aufnahm. Um die durstigen Plantagen zu bewässern, wurde  und wird  bis heute Grundwasser angezapft, was den Wasserhaushalt und die Versalzung von Grundwasser und Böden weiter beschleunigt.  Seit den 1980-er Jahren hat man das Problem erkannt. 1988 begann man, einen großen Plan umzusetzen, der seit letztem Jahr einen vorläufigen Abschluss fand. Man lässt den See wieder neu entstehen. Wieder wurden gewaltige Wasserbauwerke geplant, Schleusen gebaut, Dämme errichtet. Das wurde notwendig, weil man nicht mehr die gesamte Fläche des Sees rekonstruieren kann – das hätte Enteignungen und sogar die Umsiedlung einiger der seit der Trockenlegung neu entstanden Ortschaften zu Folge gehabt. Also trennte man Flächen mit langen Erd- und Steinwällen  von der Ebene ab. Die größte eingedämmte Fläche, der Neue Karla- See, liegt bei der Ortschaft Kanalia, und umfasst etwa 50 Quadratkilometer der ursprünglichen 180 Quadratkilometer Fläche. Vergleichsweise kleine Seenester sind zudem nördlich davon bei Kalamaki und Elevtherio entstanden. Verbunden sind sie durch eingedeichte Kanäle mit dem Flusssystem des Pinios. Die Rekonstruktion des Sees dient dabei keinesfalls nur der Wiederherstellung von Flora und Fauna; auch eine Wiederbelebung der Fischwirtschaft ist nicht das eigentliche Motiv. Es geht überwiegend darum, der ständig immer fortschreitenden Wasserknappheit entgegen zu wirken, die wiederum durch die intensive Landwirtschaft im Norden der Ebene verschärft wird. Das Wassermanagement in Thessalien ist also ein generationsübergreifendes Projekt, bei dem man ausrufen möchte: Never change a running System.

 

Daten zum Besucherzentrum:

 Kanalia 385 00, Greece

 +30 24210-58659

 sotiris@boebes-karla.gr

 www.boebes-karla.gr

Öffnungszeiten  
  •  Täglich auf Anfrage
  •  Sonntag 11:00-14:00

Eine Runde um Mavrovouni: Rätsel am Wegesrand

Mavrovouni (Thessalien), 6.September 2018. Agiokambos-Rakopotamos-Isiomata-Kamari-Keramidi-KarlaSee-Agia-Agiokampos

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Das Bergmassiv, an dessen Füßen wir, am Strand von Agiokampos, unsere Zelte aufgeschlagen haben, heißt Mavrovouni, was etwa so viel wie „schwarzer Berg“ bedeutet, und ein Höhenzug ist, der von dichten, teils dunklen Wäldern bestanden ist. Er liegt zwischen dem Bergmassiv Ossa, das sich in Richtung Norden auftürmt, und dem Pilion im Süden. Gen Osten grenzt er an die Ägäis, und im Westen fällt er in die Thessalische Ebene Richtung Larissa ab. Die Trennung zwischen dem Ossa-Massiv und Mavrovouni erfolgt durch ein Tal, das zwischen der Thessalischen Ebene zum Meer hin abfällt, dazwischen liegt die Ortschaft Agia als faktisches Mittelzentrum der Region. Von hier gelangt man zu den beliebten Ferienorten Velika und Sotiritsa, die am Strand am Fuße der Ossa-Ausläufer liegen, und Agiokampos. Wir wollen heute das gesamte Mavrovouni-Gebirge umrunden, was schwierig, aber um so interessanter ist, weil man durch Gegenden kommt, die noch viel Unerwartetes bergen, allerdings straßenmäßig kaum erschlossen sind.

Ein halbwegs geländegängiges Fahrzeug ist für Teilstrecken erforderlich, auch muss man für die Strecke einiges an Zeit einplanen. Das erste Teilstück nach Keramidi, einem Ort, der bereits zum Pilion gehört, hatten wir letztes Jahr bereits beschrieben, man biegt gen Norden, nach der Ortschaft Rakopotamos an einem unscheinbaren Schild Richtung „Keramidi / Volou“ links in einen holperigen Waldweg ab, und befindet sich in dicken Mackien, und teils kühlen Wäldern mit hohen Bäumen. Auch im Hochsommer noch rauschen die Bäche, die von den steilen Hängen herunterpurzeln, und zeigen, dass diese Seite des beginnenden Pilion sehr wasserreich ist – das Gebirge wirkt wie ein Wolkenstau. Während Deutschland dieses Jahr unter extremer Trockenheit litt, sind auf der Ostseite des Pilion lokal begrenzt bis zu 1500 mm Regen heruntergekommen.  Unser erstes Ziel sind merkwürdige Ruinen, die weit unten am Ufer der Steilküste in einer Bucht am Meeresufer liegen. Es soll der letzte „Strand“ des Nomos Larissa sein, weiter südlich verläuft die „Grenze“ zur Provinz Magnesia. Auf verschiedensten Internetseiten werden die Ruinen als Reste eines historischen Bergwerkes beschrieben, das in die Venezianische Zeit datieren soll. Von oben ist davon kaum etwas zu sehen, es sieht aus, wie eine archaische Stufenpryramide.

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Das Bergwerk, das wir suchen, liegt hinten, an der vorspringenden Klippe

Auch darüber, was dort abgebaut wurde, äußern sich verschiedene journalistische Lokalseiten nur wage, es ist von Porzellanerde die Rede, gar einer Porzellanfabrik. Auch die Wegbeschreibungen, wie man in die geheimnisvolle Bucht mit dem merkwürdigen Bergwerk gelangen könnte, sind mehr als unklar. Nach einer längerer Zeit des Suchens finden wir die Streusiedlung (die nur aus wenigen Häusern besteht), und sich „Isiomata“ nennt. Dort gibt es einen kleinen Feldweg, der von der Holperpiste, die weiter nach Keramidi führen soll, links abzweigt, zwischen reichlich verwilderten Olivenbäumen hindurch. Steil geht es nun abwärts durch das Gebüsch, vorbei an ein paar wenigen, kleinen Häuschen, hinunter an eine Bucht, die aus Kieselsteinen und Felsbrocken besteht, und in deren Mitte eine phallusartige Felsformation aus dem Wasser aufsteigt. Malerisch liegt diese Bucht da, zum Baden aufgrund der Steine und einer Menge Seeigeln wohl aber nicht zu empfehlen. Das rätselhafte „venezianische“ Bergwerk finden wir dort.

Unterhalb eines im Bau befindlichen kleinen Ferienhauses stehen einige Reste von aus Beton gestampften Kranfundamenten, dahinter erhebt sich die Ruine des Bergwerkes, aus Feldsteinen errichtet, aber unter Verwendung von Stahlstützen und auch armiertem Betonstreben. Das ist sicher nicht venezianisch. Das Rätsel löst sich, nach weiteren Recherchen, in Gestalt eines sehr fundiert geschriebenen Artikels in der Online-Zeιtung LarissaNet.gr – sozusagen dem großen Bruder von Hallespektrum.de. Dort wird erläutert, dass das Bergwerk anfangs der 1920er Jahre von einer deutschen Gesellschaft eröffnet wurde, und bis zu seiner Schließung 1929 Talkum förderte. Talkum, ein sehr weiches Magnesiumsilikat (Speckstein) wurde nicht nur für die Herstellung von Babypuder benötigt, dazu hätte man nicht in dieser schwer erschließbaren Gegend Bergwerke erschlossen. Talkum wurde als Füllstoff für Gummireifen, aber auch für Farben, Lacke und keramische Rohstoffe benötigt. Das Bergwerk verfügte über eine eigene Kaianlage, von der aus die die weiße, weiche Gesteinsfracht per Schiff zur großen Hafenstadt Volos gebracht wurde. Bis zu 300 Arbeiter aus den umliegenden Bergdörfern (Elaphos und Sklithro) waren hier beschäftigt, bei merhreren schweren Unfällen sind zwei Arbeiter aus Sklithro sogar tödlich verunglückt. (Die Seite verfügt übrigens über eine Reihe guter Bilder, man kann offenbar, wenn man mutiger ist, und sich über die glitschigen Steine traut, auch in den Ruinen herumklettern).

Hutbürger

Ein Hutbürger

Ein Grafitikünstler hat – offenbar schon vor einiger Zeit – aus einem der Kransockel einen Hutbürger geschaffen. Welch prophetische Begabung.

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Wir begeben uns nun weiter auf der Rumpelpiste in Richtung Keramidi, vorbei an merkwürdigen weißen  Felsen, die aber nicht aus Talkum bestehen, sondern irgendwas anderem, was jedenfalls die Wege aussehen lässt, als habe es gerade frisch geschneit. Kurz vor Keramidi erreicht man eine Asphaltstraße, sie führt zu einer der schönsten Badebuchten der Region, Kamari genannt. Ein halbes Dutzend Häuschen und eine platanenbestandene Plateia schmiegen sich in die Bucht, die ansonsten aus überwiegend feinem Kies besteht. Die Ecke ist kaum besucht, es wirkt sehr intim, und in einer improvisierten Strandbar gibt es dringend benötigte Erfrischungen. Zwei zahme Brieftauben und ein Wellensittich picken hier schon einmal Knabbereien von den Tellern der Gäste.

Serpentinen führen nach Keramidi hinauf, das hatten wir letztes Jahr besucht, aber damals zur falschen Tageszeit, mittags war alles zu. Heute sind wir später dran, gegen 18:00 beginnt langsam beschauliches Leben auf der Plateia, das Kafeneion serviert den landesüblichen Tsipouro (der ziemlich stark ausgefallen ist) und Mesedes, wie es sich gehört.

Darunter befindet sich ein merkwürdiges, eingelegtes Kraut. Es schmeckt erfrischend sauer, aber im Abgang etwas nach Lösungsmittel, genauer eingegrenzt, nach Terpentin. Nicht unangenehm, aber leicht schon sehr irritierend. Dieses merkwürdige Kraut, das sich dort neben den üblichen Fischlein, haben wir nie gesehen, und auch eine eingehendere Untersuchung auf der Papierserviette ergibt keinen Erkenntnisgewinn.

Tsitsiravla (rechts)

Tsitsiravla (rechts)

Die Wirtin sagte, das seien eben „Tsitsiravla“ (Τσιτσιραβλα). Nie gehört. Längeres Nachgoogeln brachte es an den Tag: der Terpentingeschmack hatte nicht getrogen. Es handelt sich um die sauer eingelegten, im zeitigen Frühjahr gesammelten Sprossen von Pistacia terebinthus, der Terpentin-Pistazie, die in der Gegend sehr häufig vorkommt. Der bis zu 5 Meter hohe Strauch mit seinen roten Beeren diente einst zur Herstellung von Terpentinharz und eben auch dem daraus destillierten Terpentinöl (was einst wertvolle Rohstoffe in der Malerei und in der Medizin waren, ähnlich wie der verwandte Mastix).

Da es bald zu dämmern beginnt, nehmen wir nicht den Weg durch die Schotterpiste im Wald zurück, sondern begeben uns „hintenrum“, um den Mavrovouni. Wir fahren nun über den Bergkamm zwischen dem Pilion auf der Linken in Richtung der Thessalischen Ebene. Die Landschaft hat sich hier völlig verändert, sie sieht aus, wie von Niederländern zur Barockzeit gemalt. In der von Weidetieren gestalteten Parklandschaft stehen vereinzelte hohe Eichen und Kastanien, darunter lümmeln sich Kühe und … Wildschweine? Jedenfalls sehen die so aus, verhalten sich aber zahm und friedlich, es ist beim genaueren Hinsehn eine Familie einer besonderen, dunkelbraun behaarten Hausschweinart, die sich an den ersten, herabgefallenen Maronen und Eicheln satt fressen.

Vor uns liegt nun, in der Ferne unter der untergehenden Abendsonne, der „Limi Karla“ in der Ebene. Es ist ein halbkünstlicher See. Einst befand sich hier ein natürlicher See, gespeist von den abfließenden Wässern des Gebirges. In den 1950er Jahren wurde er, um die Malaria zu bekämpfen, trockengelegt. Nun hat man ihn, versehen mit kilometerlangen Dämmen, wieder aufgestaut. Wie das nun mit der Malaria ist? Keine Ahnung.

Limni Karla (Karla-See)

Limni Karla (Karla-See)

Entlang des Karla-Sees, dann am Fuße des Mavrovouni weiter, durchfährt man in der Dunkelheit Ortschaften wie Amygdali (Mandeldorf), die Gegend ist tatsächlich von Mandelplantagen geprägt, die sich bis nach Agia hinziehen, wo diese Ausflugsbeschreibung in der Dunkelheit (gerade noch rechtzeitig  vor Schließung des dortigen Supermarktes um 22.00 h) endet.

 

 

 

 

Nach- und Ausklänge in Thessalien

Mavrouvouni, am Ende des Sommers 2016, die letzte Septemberhälfte.

Nach der Makedonien-Thrakienreise gibt es keine großen Erzählungen mehr. Ausklänge finden jetzt wieder in Thessalien stat, Larissa, Mavrovouni, irgendwo hier. Ein paar Bilder zum Ausklang…

Auf der Rückfahrt von Thessaloniki in Mavrovouni: ein kleiner Abstecher vor dem Tempi-Tal: hier bildet der Pinios ein sandiges Delta, bevor er im Meer landet.

Besuch bei unseren Freundinnen, den Schwestern des Klosters Joannis Prodromos, auf 1200 Meter Höhe, oberhalb des Dorfes Anatoli, oberhalb von Aghia, im Ossa-Gebirge. Schwestern zeigen uns den Erfolg des letzten Jahres: aufwändig und mit vielen Eigenmitteln wurde die historische Klosterkirche des 16.Jhdt mitsamt ihren Fresken gerade noch vor dem Einsturz gerettet. Meisterhafte Restaurierungsarbeiten.

Hochwassserschutz als Bewässerungsmaßnahme

Auch die thessalische Hochebene weiß, Flutmittel abzugreifen: ein cirka 25 Kilometer langer links- und rechts eingedeichter Kanal soll Hochwasser von den im Winter zu Tal stürzenden Bächen sammeln, vor allem aber vom durch und an Larissa vorbei fließendem Fluß Pinios. Der fließt aber etwa 25 Kilometer weiter weg. . Das Wassser soll in den See „Limni Karla“ sowie andere künstlich angelegter Seen in der Ebene bringen. Die Limni Karla ist einst natürlicher See gewesen, den man in der Antike Βοιβηίς (Voiviis) nannte. Noch Anfangs des 20. Jahrhunderts pflegte man hier Fischfang, die Fischer lebten während der Fangsaison in provisorischen Schilfhütten, die sie am Ufer errichteten.  Um landwirtschaftliche Produktionsflächen zu gewinnen, legte man den See 1962 trocken. Allerdings war der zurückbleibende Boden derart versalzen, dass der erhoffte Gewinn ausblieb. Seit 1988 enstand auf dem Gelände des ausgetrockneten Sees ein neuer, künstlich angelegter Stausee, von geradwinklig verlaufenden Dämmen umgrenzt. Der neue See hat schon wegen seiner geringen Größe nicht viel mit seinem natürlichen Vorgänger zu tun. Das Wasser wird vorwiegend zur Bewässerung der Baumwollfelder gespeichert, und soll auch helfen, den Grundwasserspiegel wieder zu erhöhen (das dann andernorts wieder abgepumpt wird). Von einer wirklichen Renaturierung der historischen Landschaft kann also keine Rede sein, und mehrfach gingen im Sommer Bilder von einem Fisch-Massensterben durch die Zeitungen, weil der See, mangels Wasserzufluss, zu wenig Lebensraum und Sauerstoff bot.  Die EU und die Mitfinanzierer lassen sich den Abschnitt des neuen, eingedeichten Dammkanals, der das Problem dadurch lindern soll, indem weiteres, gelegentliches Hochwasser vom Pinios zugeführt wird, etwa so viel kosten, wie für den Gimritzer Damm veranschlagt wird: 3,6 Millionen Euro. Das sagt jedenfalls das Bauschild.

 

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Schwiegermama hat gekocht: Moschari me Bamnies.

17. September, Larissa

Noch einmal gibt es was zu Feiern, ähnlich wie zu Beginn unserer Reise, zu ähnlichem Anlaß. Wir begeben uns daher in Larissa, in der Innenstadt, wo wir für 9 Personen vorbestellt haben, und zwar in der Psitopoleio ( Grillrestaurant) Adamos. Es ist der erste und traditionellste Laden seiner Art am Platze. Da einem Leser diesesr Berichte die fotografische Darstellung des Kokoretsi von Samothrake nicht sagte, möchte ich oier bessere Darstellungen abgeben. Die Kokortetsia bei Adamos sind aus Lamminnereien, etwas eine Idee und noch besser gewürzt als die in Samothraki. In ihrer Anatomie (innen Leber, andere Innereien, umwickelt mit Darmschnüren)  aber vergleichbar. Der Tisch in der Fußgängerzone vor dem Lokal ist weiß gedeckt, in den eloxierten Kannen darauf gibt es Weißwein, und an sonsten Gegrilltes, jede Menge Unterhaltung, über die Krise, Herrn Schäuble, Frau Merkel, die EU und überhaupt.

 

18. September, überall in Mavrovouni 

Und endlich sind die Kastanien reif, öffnen bereitwillig ihre stacheligen Kapseln . Wir pflücken sie, einige nehmen wir mit nach Hause. Es sind typische Herbstboten, sie lassen uns wissen: lang ist unser Bleiben hier leider nicht mehr. „Kalo Chimona“, einen schönen Winter, scheinen sie uns zuzuflüstern. .

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Die „Kastana“ (Maronen) werden reif.

Keimsprossen für Zickenbabies, Samentausch und Safran.

Wie die Zeit vergeht. Wir erleben nun schon die sechste All-Thessalische Samentauschbörse.  Wie letztes Jahr, wie vorletztes Jahr. Wieder organisiert von den „Energi polites Larissas“, der Organisation PELETI, und natürlich, mittlerweile fest eingebunden, dem Nonnenkloster Agios Joannis Prodromas. Schwester Theoniki haben wir dieses Jahr nicht getroffen, sie weilt noch in Estland, wo eine weitere Niederlassung des Ordens gegründet wurde.

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Orthodoxes und alternatives Publikum: eine interessante Melange.

Die Veranstaltung kann sich vor dem Besucheransturm kaum retten. Alle Waldwege um das abgelegene Kloster sind beidseitig zugeparkt. Schon im sechsten Jahr tauscht man immer noch Saatgut aus dem heimischen Gartenanbau, um Konzerne wie Monsanto in die Knie zu zwingen. Jedesmal nehme ich von hier Samen mit,  ich bringe zuweilen aus halleschem Anbau etwas mit. Einer unserer Freunde hat letztes Jahr schon Gimritzer Kürbisse in halb Thessaliien verteilt (eine tatsächliche eigene Sorte, auf die selbst Monsanto stolz wäre) und dieses Jahr durfte ich die Früchte in etlichen thessalischen Hausgärten bewundern. (Sie stehen nun vor dem Problem einer gewaltigen Ernte – zwar macht man hier nicht nur Kürbissuppe, sondern auch Kolokithopites, man überbäckt auch Kürbisblüten in Bierteig pp), aber ich fürchte, dass bald niemand mehr Kürbis sehen kann – wie auch um die Halloweenzeit bei uns, wo man dem Horror tausender Einladungen zu Kürbissuppen kaum entrinnen kann).

Bevor nun die „Börse“ eröffnet wird, bei der es so zu geht, wie überall auf der Welt, wenn es etwas umsonst gib, gibt es erst einmal eine Ansammlung Reden, Ansprachen usw.

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Ein Vortrag über Safran

Interessant dabei war auf jeden Fall der Vortrag eines pensionierten Lehrers, der eine Initiative anführt, die in Thessalien Schulgärten aufbaut. Das Projekt ist anspruchsvoll, denn die Schulen haben (wie in Halle) kein Geld, kein Personal, und  es fehlt den Kindern einfaches Grundwissen, was die Herkunft der Lebensmittel betrifft. In den Schulgärten zeigt man den Kindern nicht nur, wie Kichererbsen, Auberginen und Okraschoten wachsen. Sondern es werden traditionelle Raritäten wieder eingeführt. Seine besondere Liebe gehört dem Schulgärtner aber dem teuersten Gewürz der Welt:  Safran. Lange war der Anbau in Griechenland in Vergessenheit geraten, bis vor einigen Jahren in den Dörfern um das nordgriechische Kozani eine Kooperative entstand, die den Safrananbau wiederbelebte. Mittlerweile wird auf ca. 300 Hektar Boden um Kozani Safran gepflanzt. Unter der mittlerweile anerkannten Herkunftsbezeichnung „krokos kosanis“ wird es vertrieben. Die Pflanze, die den „Krokos“, also den Safran liefert, ist tatsächlich ein Krokus. Nicht ein solcher, wie wir ihn aus unseren Vorgarten kennen.

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Blühender Safrankrokos, schon teilbeerntet: ein Griffel fehlt schon)

Endemisch, also „Einheimisch“ ist der Safrankrokus auf Kreta, von dort verbreitete er sich ausschließlich durch Menschenhand, seit der Bronzezeit. Nur Menschen können den Krokus vermehren und verbreiten. Denn unser Krokus ist gewissermaßen kastriert, zu einer weiträumigen Verbreitung über Samen nicht fähig. Er ist triploid, hat also einen ungeraden Chromosomensatz, was das Ergebnis einer zufälligen Mutation aus einem wilden Herbstcrocus (C. cartwrightianus) ist. Deshalb ist er unfruchtbar. Und so reckt er (oder eher sie) ewig unerfüllt seine die riesigen, übergroßen weiblichen Stempel aus der Blüte, in der Hoffnung dass doch etwas passiert. Die Kreter werden sich dann um die Vermehrung des herrlichen Gewürzes gekümmert haben. Denn vegetativ, also über die sich immer wieder teilenden Knollen, kann Safran noch vermehrt werden. Über Kreta verbreitete sich das Gewürz im Mittelmeerraum, in Kleinasien (im Iran liegt heute das bedeutendste Anbaugebiet), sogar bis in die Schweiz, und in die Niederlande. Chemische Qualitätskontrollen zeigen immer wieder, dass der Safran aus Kozani Spitzenqualität hat: der Gehalt an Crocetin (Farbstoff) und Safranal (Aroma) liegt um einiges höher als die Durchschnittsqualität des Weltmarktes.  Die Ernte um Kozani reicht aber  nicht einmal aus, um den europäischen Bedarf zu decken, denn mehr als ca. 300 Kilo werden auf der gesamten Anbaufläche nicht erzeugt. Teuer ist der Safran aber nicht nur wegen des geringen Flächenertrags, sondern der mühsamen Erntemethode. Nur die Griffel der Blüten sind das Gewürz, sie werden einzeln von Hand aus der Blüte gezupft und sofort schonend getrocknet. Dafür gibt es keine Maschinen. Andererseits: nur wenige Milligramm verleihen dem Gericht (beispielsweise einem Risotto,) nicht nur die gelbe Farbe („Safran macht den Kuchen gel“), sondern einen honigartigen, blütigen Duft.

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Safranknollen aus Kozani, wie wir sie auf der Börse bekommen haben, und bald in Halleschen Boden versenkt werden

Bei den Vorträgen der übrigen Redner geht es aber nicht nur um die Errthaltung einheimischer Gartenpflanzen.  Die Veranstaltung erinnert an eine leicht esoterisch durchsetzten Kongress rings um den alternativen Landbau. Die üblichen verdächtigen Themen („Monsanto“, „Gefahren der Gentechnologie“, „Weltweite Monopolisierung der Natur durch Saatgutpatente“) dürfen natürlich nicht fehlen. Skurill wird aber der Auftritt eines Vertreters der türkischen Firma „Agritom“.

Die Firma hat eine Maschine entwickelt, die jederzeit  „kostengünstiges“, und „besonders proteinreiches“ Grünfutter für Schafe, Ziegen und Rinder produziert. Eine containergroße Maschine produziert Jährlich 150-200 Tonnen Grünfutter. Es werden Bilder gezeigt, wie sich Bioziegen auf die saftig grünen Futterpakete stürzen, während sie das Trockenfutter liegen lassen. „Ihre Tiere werden nie wieder etwas anderes fressen wollen“, sagt der Handelsmann. Man spare Platz, und sei unabhängig von den Jahreszeiten. Was Tiere überzeugt, leuchtet dem mehrheitlich gläubig zuhörenden Publikum natürlich auch ein. Den Nonnen hat er ein kleines, kühlschrankgroßes Gerät zur Vorführung in den Stall gestellt. Ein magisch violettes Leuchten dringt aus der Anlage. Doch so magisch ist das System eigentlich nicht, nur auf die Dauer etwas teuer, wegen des enormen Stromverbrauchs. Es ist nämlich eigentlich nichts anderes, als die Großversion jener Indoor-Growschränke, mit denen Freunde spezieller „Grassorten“ ihren Bedarf decken. In den Agritomkisten werden allerdings nicht Cannabispflanzen groß gezogen (wäre ja eine Idee :  „die Tiere werden nichts anderes mehr fressen wollen“), sondern Keimsprossen aus Getreide angezogen. Das geht schnell, dank des violetten Kunstlichts, das trotz der LED- Technik ein Vermögen an Strom frißt. Angeblich reichen 1200 Watt, um im Dauerbetrieb 150-200 Tonnen (!) grüne Sprossen zu ziehen. Nu ja, wers glaubt….

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Sie würden auch lieber die leckeren Keimsprossen aus dem „Agritom“-Container fressen, als an dem öden Gestrüpp der Berghänge des Ossa kauen.

Ob die Nonnen sich ein derartiges Gerät aufschwatzen lassen, war nicht in Erfahrung zu bringen. Die Äbtissin, mit der  wir uns längere Zeit unterhielten, und die mit einen großen ökonomischen Sachverstand gesegnet schien, wirkte eher skeptisch. Aber den klösterlichen Ziegen hat es geschmeckt. Und die verwöhnten Ziegen stehen ja nicht am Ende der Nahrungskette. Für die ökonomisch nüchtern denkenden Klosterfrauen ist es selbstverständlich, dass die Tiere geschlachtet und genossen werden. Am schmackhaftesten ist natürlich das zarte Fleisch der Milchzicklein, das man hier – als Frischware im gut sortierten Bio-Klosterladen, kaufen kann. Milchzicklein sind Tiere, die bis zur Schlachtung noch an den Zitzen ihrer Mutter hingen. Ihr Schlachtgewicht liegt dann so bei 7- max 10 kg, größer sind sie nie. Da man so etwas in Deutschland praktisch nie bekommt, greifen wir zu.

Die Zickleinschenkel  kommen abends mit Gemüse, Öl, Zitrone, Knofi und Kräutern  in den Ofen, ganz einfach – und es ist in der Tat ein Gedicht. Rezept: s. die folgenden Bilder.

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Katziki Galaktos, Bouti: Schenke von der Milchzicke.

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Kartoffel, Gemüse (Paprika, Tomaten, was halt da ist), etwas scharfe „Piperies“ (halbscharfe, grüne Paprika), Knoblauch, Tomaten (pellen, kleinmatschen) .

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Die Keule etwa eine halbe Stunde im Ofen mit Öl bei großer Hitze vorgrillen. Etwas einschneiden. Dann das Gemüse zugeben, Zitronensaft, und Weißwein (besonders reichlich) zusetzen, salzen, und ab in den Ofen.

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Nach etwa einer Stunde bei ca. 180 Grad nachwürzen: Lorbeer, Fenchelkraut, Thymian, Oregano, Kreuzkümmel, 5-10 leicht zerstoßene Körner Piment. Dann wieder ab in den Ofen, ein Stunde weiter ziehen lassen.

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Das Foto ist, zugegebenermaßen, nicht so toll. Aber das Fleisch und die Soße schmecken himmlisch.

Mundraubzug durch die Gegend um Agia: von Feigen, einem unbekannten Kloster und wilden Trauben.

 

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Agiocampos, 1. September 2015

Wir beginnen den diesjährigen Griechenland-Blog mittendrin, in Thessalien, am Ortsausgang der Kleinstadt Agia (Thessalien). Hierher führte der Weg – wie schon oft beschrieben – über die krisenbedingt leergefegte Autobahn nach Larissa, von dort über die Landstrasse nach Agia. Auch die wurde schon beschrieben, und so machen wir uns nun von hier auf, Richtung Agiocampos, einer kleinen Feriensiedlung am Meer, wo wir bereits gestern ankamen – gegen einen dichten Strom von Wochenendkurzurlaubern, die in einer langen Autokaravane von den Küstensiedlungen wieder zurück in die Großstadt Larissa strömten. Für die meisten Griechen sind die Ferien längst vorbei, doch wer es sich noch leisten konnte, hat das heiße Wochenende noch einmal für einen kurzen Strandurlaub genutzt. Für uns jedoch beginnt die Verlängerung des Sommers, und wir starten also hier, am Ortsrand oberhalb von Agia, dort wo eine schmale Landstraße in den mit Apfelplantagen bedeckten Fuß des Ossa-Gebirges aufsteigt. Hin und wieder ein Traktor mit Spritzgerät, sonst begegnet einem niemand hier. Es ist auch nicht der übliche Weg aus Agia hinaus an die Küste, die man von hier nach knapp 10 Minuten Autofahrt erreichen kann. Ein Umweg durch die Berge, das Ziel: Mundraub. Vor allem auf Feigen haben wir es abgesehen. Das  ist nichts Illegales, jedenfalls nichts richtig Schlimmes. Denn die Feigenbäume  werden hier am Wegesrand selten beerntet, der überwiegende Teil der buschig, seltener wirklich baumförmig wachsenden Exemplare ist hier nicht bewußt angebaut worden. Es sind Gewächse, die überwiegend aus Samen entstanden sind, was im professionellen Feigenanbau niemals passiert, denn es „mendeln“ sich dabei etliche Wildformen heraus, die mehr oder weniger der Urform zustreben.  Die Sortenfamilie, die sich hier herausgebildet hat, ist verhältnismäßig kleinfrüchtig, im reifen Zustand gelblichgrün, nach der Ernte nicht einmal einen halben Tag haltbar, und deshalb vollkommen unverkäuflich. Dafür aber wahnsinnig lecker, und jedes Exemplar schmeckt anders. Es sind eigentlich die besten Feigen der Welt. Das weiß ich, denn ich habe schon viele Feigen gegessen. Solche, die im heimischen Supermarkt sehr gelegentlich zu finden sind, und aus der Türkei, aus Argentinien oder sonstwo eingeflogen wurden. Da liegen sie dann in so albernen Konfektpapiertütchen einzeln verpackt herum, werden dann auch noch Stückweise zu horrenden Preise verkauft – und schmecken dann doch selten richtig gut. Zum Angeben eignen sie sich allenfalls..

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Ficus carica. Feige mit Fruchtansatz. Sorte: „Die süße Halbwilde von Agia“.

Deshalb finden sie auch nicht das Interesse der Erwerbsbauern in Thessalien. Rund um Aghia machen sich schon seit Jahrzehnten vor allem die Apfelplantagen breit. Gerade Agia lebt von seiner Apfelindustrie. Lebte, denn jetzt hat auch die Ukraine-Krise mit dem Rußlandembargo zugeschlagen. So gingen vor dem Embargo 80% der grünen Äpfel von Agia nach Rußland – ein herber Schlag für die Bauern, die nicht mir-nichts-dir- nichts auf andere Produkte umstellen können.

Der Feigenbaum ist in die Jahre gekommen. Sicher über 50 Jahre alt, reckt er seine letzte frucht stolz in das Panoraqma des Tals von Agia. Die blauen Berge gegenüber gehören zum Gebirgsmassiv von Mavrovouni.

Der Feigenbaum ist in die Jahre gekommen. Sicher über 50 Jahre alt, reckt er seine letzte Frucht stolz in das Panorama des Tals von Agia. Die blauen Berge gegenüber gehören zum Gebirgsmassiv von Mavrovouni.

Zurück zu den Feigen. Sie gehören zu den ältesten Kulturpflanzen Eurasiens, älter als die meisten Getreidesorten. Wann sie sich von ihrem wilden – heute nicht mehr fassbaren – Vorläufern durch menschliche Selektion getrennt hat, ist weitgehend unbekannt. Die ältesten archäologischen Relikte stammen aus dem Westjordanland, Jericho und sind über 11.400 Jahre alt. Man fand sie in einem jungsteinzeitlichen Haus in der Siedlung Gilgal I. Dass es sich um „Kulturfeigen“ handelte, erkannte man daran, dass sie schon „parthenocarp“ angelegt waren, d.h. sie in einer Art „Jungfernzeugung“ Früchte ohne Befruchtung entwickelten.  Dennoch hat die Feige ein komplexes Sexualleben.

Es gibt zwei Unterarten der Feige. Die Bocksfeige (Ficus carica var. caprificus) enthält männliche und weibliche Blüten, aus den weiblichen entstehen jedoch keine essbaren Früchte. Befruchtet werden sie von der Feigengallwespe. Sie lebt in den weiblichen Blütenständen der Bocksfeige, die schon wie kleine Feigen aussehen. Im Inneren dieser kurzstieligen, grünen „Feigen“ befinden sich am Grunde weibliche Blüten, am „Ausgang“ (da wo bei den Früchten das „Loch“ ist), sitzen die männlichen Blüten. Die Wespe nimmt beim Verlassen der Bocksfeige den Pollen auf, und schwärmt davon. Die ungenießbare Bocksfeige fällt nach der Samenreife vom Stamm, was schon im Frühsommer passiert. Nun sucht die Wespe einen neuen Ort der Eiablage – und findet dann den Blütenstand einer kultivierte Eßfeige (Ficus carica var. domestica). Sie schlüpft hinein, um ihre Eier abzulegen. Dabei werden die rein weiblichen Blüten der Eßfeige befruchtet, die Samen können sich entwickeln. Aus diesen kann sich entweder wieder eine Bocksfeige oder eine Eßfeige entwickeln. Die meisten Kulturfeigen, die wir heute kennen, benötigen diesen Mechanismus jedoch nicht, um reife „Früchte“ zu entwickeln. Sie entwickeln den blütenstand bis zur Vollreife ohne Befruchtung. Das, was wir als „Feigenfrucht“ essen, ist eigentlich der Blütenstand. Im Inneren befinden sich die Blüten, bzw – nach der Befruchtung – die Samen.

Das komplizierte Sexualleben war schon den Menschen der Antike in Grundzügen bekannt. Da man wusste, dass die Kulturfeige zwar auch unbefruchtete Früchte reifen lässt, die Befruchtung aber den ertrag steigert, hängte man Zweige der Bocksfeige in die Feigenplantagen. „Caprification“ nannte man das. Im gesamten mediterranen Raum war die Feige außerordentlich beliebt. Sie lieferte – ohne dass man sich groß um die Pflege kümmern musste – enorme Mengen an Kohlehydraten, durch Trocknen ließ sie sich bequem konservieren. Im Laufe der Zeit ist eine enorme Zahl von Varietäten entstanden, es gibt gelbe, grüne, braune, violette und fast schwarze Feigen. Solche, mit dünner Schale, mit dicker Schale, und sogar solche, die gemäßigte Wintertemperaturen in Deutschland aushalten.

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Reife Feigen auf Gimritz. Ein seltenes Erlebnis nach einem milden Winter.

Ernten kann man Kulturfeigen bis zu drei mal im Jahr. Ende Mai wird die erste Serie reif, dann folgen Mitte August die Sommerfeigen, und eine dritte Generation etwas kleinerer Feigen versüßt den Herbst. In Agia kümmert sich indes niemand mehr um das Sexualleben der halbwilden Feigenbäume. Wer einen Feigenbaum im Garten haben will, fragt Freunde oder Bekannte um einen Ableger seiner  Lieblingssorte. Der Zweig kommt in Wasser oder feuchte Erde, wo er Wurzeln schlägt, und der raschwüchsige Baum trägt bereits nach zwei Jahren Früchte. Wenn man ihn nicht verschneidet: denn die Früchte wachsen nur an dem Holz, das im vorigen Jahre nachgewachsen ist. Frieren dem Hobbygärtner in Deutschland die jungen Triebe ab, wird der Baum meistens zwar überleben, aber er trägt dann im Folgejahr nicht.

Die enorme Fruchtbarkeit der Feige und ihr verlockend süßer Geschmack haben die Früchtchen schon früh in die Nähe antiker Lustgötter gestellt. Im antiken Griechenland war sie dem Dionysos heilig, und  aus ihrem Holz schnitzte man kleine Skulpturen des Priapos.

Mit dem „Feigenblatt“ bedeckten Adam und Eva ihre Scham, und Christus erläutert den Menschen, wie man falsche von richtigen Feigenbäumen unterscheidet: „An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen“.

Das Kloster Panteleimonas bei Agia

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Wuff! der Hund wacht nicht nur über das Kloster, das sich oberhalb von Agia befindet.

Den sündigen Bauch gefüllt mit süßen Feigen, wenden wir uns dem kleinen Hinweisschild nach dem Kloster Panteleimonas zu. Nach 500 Metern staubiger Schotterpiste erscheinen seine frisch restaurierten Kuppeln hinter einer Lichtung, von mächtigen Eichen umstanden, von wo sich ein Blick über das Tal von Agia und reichhaltige Apfelplantagen ergibt.

Das Kloster ist ziemlich unbekannt, und das verwundert etwas, da es erst vor wenigen Jahren aufwändig restauriert worden ist. Es ist ein bedeutendes nachbyzantinisches Bauwerk. Das Katholikon, die Hauptkirche, wurde 1580 fertig gestellt. Die Nebengebäude stammen in Teilen aus dem 19, Jahrhundert, das meiste wurde jedoch erst vor wenigen Jahren in „traditionellem Stil“ neu errichtet.

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Agios Panteleimonaa, Ansicht von Draußen.

Ohne die Kuppeln der Kirche würde man das Kloster eher für einen verwahrlosten Hof halten. Hinter dem offen stehenden Garagentor macht sich jemand an einem Schrottauto zu schaffen, durch vertrocknetes Gras und Sträucher stolperst du über unmotiviert abgelegte Autoreifen, Plastekanister und allerlei Unrat. Aus dem Dach des Wirtschaftsgebäudes ragen mehrere improvisierte Blechrohre empor, Schornsteine, die den Rauch des zu runden, gewaltigen Stapels Brennholz abführen sollen, wenn es mal im Winter bitter kalt in den Zellen wird. Panteleimonas liegt nicht sehr hoch, vielleicht 150 Meter über dem nahe liegenden Meer, aber im Winter schneit es manchmal gewaltig. Hinter der Apsis des Katholikon ist eine Ziege eingestallt, und mehrere Hühner gackern auf, wenn du ihren Zaun,  der vor der Außenmauer der Sakristei mit Plastikplanen außenrum eingerichtet ist, passierst. Die Aufregung ist verständlich, denn gestern wurde gerade eines von ihnen gerupft, wovon die Unmenge Federn im Gelände Zeugnis ablegen.

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Das Katholikon.

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Pfoten lecken, zur Ehre des Herrn !

Vor dem Eingang des Klosters informiert die EU über Geschichte und Bedeutung der Anlage und über Kosten und Zeitraum der Restaurierungsarbeiten. Rechts und links wehen – aller EU zum Trotz – stolz die Flagge Griechenlands und die gelbe Flagge des byzantinischen Reiches, schwarzer Doppeladler auf gelbem Grund. Entsprechend eingenordet betrittst du demütig den Innenhof, wo Du von jammernden, total süßen (!!!) Katzen begrüßt wirst, die zwischen Basilikumtöpfen hervorkriechen, wo sie ihre Jungen versorgen.

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Christos Pantokrator. Fresko des 18. Jahrhunderts in der Kuppel des Katholikon von St. Panteleimonas, Agia.

Vor dem Eingang des mit einem gewaltigen Stahlschloss versehenen Katholikon erwartet dich ein hochbeiniger, rot-weißer Kater. Er macht vor, was Ehrfurcht bedeutet: erst kratzen und putzen. Sonst kommst Du hier nicht rein. Lange kratzen und putzen muß man nicht bei dem Mönch, der in grauem Arbeitskittel „zufällig“ aus der Pforte des Wohntraktes in den Hof schleicht, um dich nach deinem Begehr zu fragen. Er hat längst gesehen, wie du um den Hof geschlichen bist, mit deiner „Fotokamera“ . Das Katholikon von Innen ansehn, das willst du halt.  Wenn er dann nach einiger Zeit, während dessen du den meckernden Kater streichelst, mit dem gewichtigen Schlüssel kommt, wird er dich nicht ansprechen. Die Tür wird geöffnet, bitteschön. Dann ist er erst einmal weg (zum Katzenstreicheln?).

Die zentrale Kuppel schmückt Christos Pantokrator, der Alleinherrscher, über der Eingangshalle (Narthex) die Kimisis, eine Darstellung der Entschlafung Mariens. Werke des 18, Jahrhunderts, aus einer Zeit, aus der uns moderne griechiche Heldenmythen berichten, wie sich unter der Türkenherrschaft, wo jegliche Ausübung christlicher Religionen strengst verfolgt wurden, geheim man sich in irgendwelchen Schuppen getroffen habe  usw. Dieses Baudenkmal erzählt Anderes, wie so viele, in unserer Region. Den Kittelschürzenmönch solltest Du fragen, ob man hier fotografieren darf., „Ja, geht.“. Wieviel Mönche leben hier? „drei“. Langsam taut er auf.

Woher kommen Sie? „Deutschland.“

„Du bist Deutscher? Deutschdeutsch?“

„Ja, ja…“

„Habe auch Verwandte in Deutschland“

„Wo?“

„Ich war da nie. Ich kann mir auch keine Namen merken“

„Was tut Ihr hier so? Betreibt Ihr Landwirtschaft?“

„Nein“

„Ihr habt Hühner?“

„Ja schon. Ein paar Hühner haben wir“.

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Von Kloster Panteleimonas nach Sotiritsa. Eine typische Weggekreuzung mit der zugehörigen Straßenmöblierung. Staatliche Schilder: verblaßt, Telefonleitungen oberirdisch, Werbung unterirdisch. Hauptsache: Ecclisaki (kleine Blechkirche, wo man ggf., wann es pressiert, Kerzen drin anmachen kann)

 

Sotiritsa – wieder ein Ort mit vielen Namen

Der Weg führt, unter Gewährung vieler Aussichtsfenster auf Mavrovouni und der Ägäisküste,  hinunter  nach Ano Sotiritsa. Den Namen trägt der Ort seit Anfang des 20. Jahrhunderts, der Name soll wohl irgendwie an eine griechisch-christliche Vergangenheit erinnern. Vorher hieß der Ort Kapitsa, über die Umbennenung der Ortschaften habe ich schon letztes Jahr berichtet. „Sotiras“ ist christlich, und wichtiger noch „griechisch“ :  „Der Erlöser“.

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Ano Sotiritsa. Hübsch hier.

Die griechische Wikipedia-Seite zu dem Ort, von der ich nicht recht weiß, was ich von ihr halten soll, schreibt, dass im letzten Jahrhundert ein griechischer Grundbesitzer Ort und Land von „irgendeinem Türken“ gekauft habe, der Großgrundbesitzer stamme aus Axexandria, und habe Tribute von den Bauern verlangt: Landbau, Jagd, alles war seins.

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Ano (oberes) Sotiritsa.

Im Winter haben sie oben („ano“) gearbeitet, als Hirten, im Sommer unten („kato“) am „Campos“, der Niederung am Meer. Das ist glaubhaft, weil es typisch ist, für Ortschaften an den thessalischen Berghängen, die sich zum ägäischen Meer her offen. Wer es geschafft hat, lebt heute vom Tourismus in Kato Sotiritsa. Während „Ano Sotiritsa“ lange Zeit verlassen war, ist es heute für manche Ureinwohner ein begehrter Rückzugsort. Mit Geld, das man unten oder auch in der Provinzhauptstadt Larissa verdient hat, vielleicht auch als Gastarbeiter in Deutschland oder Australien, werden heute die verfallenen alten Häuser saniert. Ein Dorfplatz ist entstanden, eine Quelle eingefasst, inmitten eines kleines, von Platanen beschatteten Parkes.

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Ano Sotirtsa. Wildwachsende Trauben (Vitis vinifera), wild, sauer, voller Kerne: interessant, dekorativ, weniger schmackhaft.

 

 

 

Unser kurzer Reiseweg. 34 Minuten, sagt5 Google. Erntet man zwischendurch Feigen, und besucht Mönche, dauert es länger.

Unser kurzer Reiseweg. 34 Minuten, sagt Google. Erntet man zwischendurch Feigen, und besucht Mönche, dauert es länger.

 

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Blick ins Tal von Agia, Auf dem Weg von Ano nach Kato Sotiritsa.

Kato Sotiritsa ist eine Ferienhölle, in der man viel Geld machen kann. Touristenbusse, vorwiegend aus den slavischen Nachbarländern, lassen viel Geld hier. Von hier aus sind es nur drei Kilometer entlang der Küstentlinie nach Agiocampos.

Belege:

Äpfel: http://www.larissanet.gr/2015/02/13/to-empargko-sti-rosia-skotonei-to-prasino-milo-tis-agias/
(Insbesondere Grüne Äpfel betroffen: 80% gingen nach Rußland).

Am Anfang war die Feige: http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/1025837/

Der feige Sexualleben: http://waynesword.palomar.edu/pljun99b.htm

 

Schon wieder ein Jahr Halle vorüber. Bald wieder zuhause in Griechenland.

Der kleine Winzling von Kater, den wir letztes Wochenende in Aghiocampos eingesammelt haben, und dessenthalben ich den letzten Reisebericht so aprupt abbrechen mußte, lebt nun schon ein Jahr auf Gimritz. Ein Prachtexemplar. Die Tierärztin in Larissa hatte ihm einen „καλλο χαρακτηρας“, also einen sehr guten Charakter, bescheinigt (sie ist selber Katzenliebhaberin, und kennt sich da aus), also bekam das Würmchen einen Chip (armes Tier, so eine riesen blutende Wunde), dann einen EU-Pass (Nein, keine ErwerbsUnfähigkeitsbescheinigng, Tiberius ist nun vollwertiges Mitglied der Europäischen Union), was ihm auch die bequeme Einreise in die VR Gimritz ermöglichte (Es gibt ein Tierfernaustauschabkommen der VR Gimritz mit der Europäischen Union).
Tiberius wurde bereits im Februar diesen Jahres der internationalen Völkergemeinschaft als „Cat of The Day“ vorgestellt: http://catoftheday.com/archive/2014/February/10.html
Und letzte Woche hatte er seinen letzten Initiationsritus erfolgreich bestanden, indem ihm die Tierärtztin das Gemächte und damit den genetischen Code für diesen besonderen Katercharakter wegschnitt und in die Amputattonne warf. Oh, welche wertvolle Zuchtmaterial ist der europäischen Katzengesellschaft verloren gegangen!

Tiberius untersucht einen Gimritzer Saale-Hecht. Es ist für ihn nicht nicht immer ganz einfach gewesen, sich von dem mediterranen Futterangebot auf das Gimritzer Beutespektrum umzugewöhnen. Doch wir helfen ihm dabei, und nun isst er auch Hecht aus der Saale mit größtem Vergnügen. Wir sind ja so stolz auf ihn !

Tiberius untersucht einen Gimritzer Saale-Hecht. Es ist für ihn nicht nicht immer ganz einfach gewesen, sich von dem mediterranen Futterangebot auf das Gimritzer Beutespektrum umzugewöhnen. Doch wir helfen ihm dabei, und nun isst er auch Hecht aus der Saale mit größtem Vergnügen. Wir sind ja so stolz auf ihn !

Tiberius ist nun ein vollwertiges Mitglied der Gimritzer Gemeinschaft, ein Kulturbereicherer, doch er muss nun genau so wie seine Mitkätzin Agrippina zu Hause bleiben, auf Gimritz, derweil wir morgen wieder in unsere Heimat abreisen, nach Griechenland, genauer gesagt, Thessalien. Ubi Patria, ibi bene. Für unsere Katzen ist das Gimritz, unser Revier ist größer.
Darüber werde ich dann wieder schreiben, sowie Weh-Lan, Zeit und sonstige Widrigkeiten es zulassen. Die Delegation der VR Gimritz ist übrigens verstärkt worden. Eine gute Freundin, Nachbarin und Mitglied des regierenden Zentralrats der Gimritzer kommt mit. Sie wird selber berichten.

Tiberius von Aghiokampos.

Tiberius von Aghiokampos. Das war 2013, als wir ihn mitnahmen.

Genug Cat-Content. Die Nachbarn werden auf Haus, Garten und Vieh aufpassen. Es ist halt immer jemand da, was auch beruhigt, nicht nur die Tiere.
Draußen tobt das Laternenfest, und ich packe den Koffer. Also: meinen Handgepäck-Koffer. Ladegeräte, Kameras, Handys, Plastebeutel zum Pflanzensammeln, all den ganzen Quatsch. Versuche mich auch noch gerade zu sortieren: wie war das das letze Mal, Internet-Zugang in GR außer Haus, Internet-WLan-Karten von Cosmote. Wie ging das noch?

Ach so: wo wir ankommen: in Athen. Was wir danach machen: Darüber denken wir nach, wenn wir da sind. Es gibt kein Programm. Außer: unsere Freunde und Verwandten sehen. Rumfahren, Blödsinn machen. Der Rest kommt von alleine.

Aber Ihr, liebe HalleSpektrum-Leser, könnt uns verfolgen. Hier, auf diesem Kanal. Es wird mehr geben, als Cat-Content. Bleibt dran. Drei Wochen lang.