Ausklang mit Katze

15.09 2010

Auffahrt auf ins Ossa – Gebirge und Besuch im Koster

Eine der Nonnen, die wir auf der Samenbörse in Dimitra kennen lernten, hat uns

zum Besuch des Nonnenklosters St.Johannes des Täufers (Ajos Joannis Prodromos) eingeladen. Also fahren wir den steilen Weg von Dimitra hinauf nach Argostoli. Die Straße, die veilfältige Ausblickmöglichkeiten bietet, ist besonders im Herbst auch für andere Verkehrsteilnehmer gefährlich: Landschildkröten. Dieses Jahr begegneten wir keiner, doch vor einigen Jahren noch war die Strasse voll von Ihnen – teils heftig im Paarungsakt vertieft.

Oberhalb von Anatoli – (dem Ort, wo es die besten Pommes  gibt – ich berichtete schon einmal ) weist ein Wegweiser zum Kloster hinauf. Man öffnet man uns nach zaghaftem Läuten an der Glocke, wir werden zunächst aufgefordert, in der Klosterkirche ein Gebet zu verrichten. Dann wird „unsere“ Schwester gerufen. Sie stammt aus Deutschland, hatte sich zunächst, – dies hier auszuführen, würde zu weit führen – dem überkonfessionellen Teze-Bewegung verschrieben, bis sie in Kontakt mit orthodoxen Nonnen kam, ihre Arbeit in Deutschland kündigte und fortan in Griechenland im Kloster lebt. Das Kloster selbst ist neu. Zwar befand sich an dieser Stelle schon im 16. Jahrhundert ein Kloster, dessen Kirche mittlerweile nur noch eine bedauerliche Ruine ist. Mönche vom Athos starteten in den 1980er Jahren einen ersten Anlauf, hier ein neues Kloster zu errichten, der Bau kam aber zum Erliegen, und verfiel als Bauruine in der Folgezeit dahin..Die 16 Nonnen der international zusammengesetzten Klostergemeinschaft setzten Anfang der 2000er Jahre schrittweise – hauptsächlich aus eigener Hände Kraft – die angefangene Ruine in Stand, Zelle für Zelle.  So ganz fertig sei man immer noch nicht, erfahren wir von unserer Schwester. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die geschmackvoll eingerichteten Besucher- und Versammlungsräume öffnen sich in die weite grüne Landschaft, weit unten ist schemenhaft die Stadt Larissa zu sehen. Man könne von Larissa aus auch das Kloster sehen, erzählt die Nonne. Es sei das einzige Licht hier oben am Berg Kisssavos. Neben dem Kloster hier oben in Anatoli gibt es mittlerweile noch eine weitere Baustelle: ein Kloster in Estland, auf dem gerade 4 Nonnen werkeln. Die Gemeinschaft tauscht sich hin und wieder aus – es gibt keine feste Besetzung zwischen dem Stammkoster Laurion bei Athen, hier oben bei Anatoli und in Estland. Wie in einem Pfalzverbund wirken die Nonnen da, wo gerade der größte Bedarf ist. Nächstes Jahr soll es auch Whisky geben – eine der Schwestern hat die Schnapsbrennerei zu ihrem „Hobby“ ausgebaut und will sich nun an komplizierteren Bränden als nur Tsipouro versuchen.

 

Wenn wir schon einmal so weit oben auf dem Berge Ossa (=Kissavos) sind, wollen wir die Gelegenheit noch wahrnehmen, auch noch dem Wegweiser zum Berggipfel zu folgen. Die Straße besteht aus trockenem Lehm und teils großen Gesteinsbrocken, aber mit etwas Mühen und Mut gelangen wir doch zum vermeintlichen Gipfel, hinter dem allerdings, kurz bevor man oben ist, noch ein höherer in der Ferne erhebt. Die Straße führt auch bis dort hinauf, weil sich oben eine Funkstation befindet -. Wir lassen das lieber, denn die Vorstellung, ohne Benzin und funktionierendem Handy hier oben hängen zu bleiben, ist nicht angenehm. Auf dem Gipfel Nr. 2 läßt es sich auch aushalten, Fernsicht fast rundrum, von Ägäis bis über Larissa zum Pindos hinweg liegt alles da. Hier oben wachsen Wachholderbeeren, die wir noch als Reisemitbringsel ernten.

An dieser Stelle mache ich einen jähen Punkt. Gestern, einen Tag vor der Abreise, ist uns ein kleiner verhungerter Kater zugelaufen. Nachdem wir ihn mit reichlich Fisch aufgepäppelt haben, hat er uns klargemacht, dass er mit nach Halle möchte. Die Tierärztin in Larissa wird sich des Falles annehmen, impfen, Dokumente ausstellen, chippen. Bei der Lufthansa ist er schon als Passagier registriert.

Tiberius von Aghiokampos.

 

 

Das ist auch der Grund, warum die letzten beiden Artikel (noch) keine Bilder haben. Er hat es geschafft, mit irgendeiner Vierpfotenkombination das W-LAN des Rechners auszuschalten.  

Rund um Kephalonia

12-14-09.2013

Der botanische Garten von Argostoli enthält in seinem großzügigem Areal mindest 30 verschiedene Pflanzenarten, die – bis auf wenige Ausnahmen –durchaus korrekt beschriftet sind. Durch den Garten rauscht ein kleiner Bach, es gibt einen Teich, und mit dem an sich spärlichen Pflanzensortiment werden verschiedene „Pflanzengesellschaften“ und Themenräume angelegt.Der Spaziergang durch den Garten lohnt sich, wenn auch nicht unbedingt durch den erwarteten Erkenntnisgewinn. Leider ist der Garten kaum ausgeschildert, am besten fragt man nach der örtlichen Polizeistation, der Garten liegt gegenüber.

 

Will man der Hitze von Argostoli entfliehen, so empfehlen sich Ausflüge zu dem in der Nähe liegenden Stränden. Empfehlenswert: „Trapezaki“, liegt am Ende eines Baumbewachsenen Tales, sauberer Sandstrand, sehr gepflegt.

 

Wer es dagegen richtig erfrischend kühl haben möchte, sollte einmal die Insel von Argostoli aus Richtung Sami durchqueren. In der nähe von Sami liegt sice Höhle von Melissani, die in gewisser Weise ein Naturwunder darstellt. Die Höhle ist Teil eines langen Karsthöhlensystems, das bei Argostoli im Meer beginnt und die ganze Insel bis nach Sami durchzieht. An der Eintrittsstelle des Meerwasssers bei Argostoli gab es einst Mühlen, deren Räder von dem einströmenden Wasser angetrieben wurden. Bei Melissani tritt dieses Wasser wieder aus dem Berg aus – wo es wiederum kleine Mühlen antrieb. Was das Wasser veranlasst, quer durch die Insel zu fließen, ist offenbar bis heute unbekannt nicht geklärt. Die Tatsache, dass das Wasser diesen 16 km langen Weg durch das Gebirge nimmt, kennt man seit den 1960er Jahren durch Färbeversuche.

Vor ca 5000 Jahren stürzte eine Kaverne des Karstsystems ein, worauf sich ein baumbestandenes Loch mit einer angrenzenden Tropfsteinkammer ergab. Das Loch ist von Bäumen umstanden, das Wasser türkisfarben und Sommers wie Winters kontinuierlich 15 Grad kalt. Durch einen künstlich angelegten Gang gelangt man hinein, worauf man dann von einem Fremdenführer im Boot einmal umhergerudert wird.

 

Etwas beeindruckender, allerdings ohne Wasser, ist die in der Nähe liegende Drogarati-Höhle. Hier unten ist es richtig kühl, die Tropfsteine ansehnlich, wenn auch – wohl schon in früheren Zeiten – zur Souveniergewinnung ihrer Spitzen beraubt.

 

Etwa auf halbem Wege zwischen Sami und Argostoli führt ein Seitenstraße in Richtung Kloster „Ajois Gerasimos“. Das (neue) Kloster lohnt sich nicht, dagegen sollte man unbedingt die in der Nähe liegende Winzergenossenschaft besichtigen, die hier die nur auf Kephalonia wachsende Weißweintraube „Robola“ zu einem einzigartigen trockenen Wein verarbeitet. Robola gehört mit Abstand zu den besten Weißweinen Griechenlands überhaupt. Die Genossenschaft exportiert auch nach Deutschland – jedoch nur in so geringen Mengen, dass der Wein dort kaum aufzutreiben ist (www.robola.gr).

Die Robola-Rebe ist wohl auf Kephalonia entstanden, ihre genaue Entstehung liegt im dunkeln. Die kleinfrüchtigen Beeren sind nicht sehr ertragreich, ergeben jedoch schöne, trockene Weine mit einem vollfruchtigem Aroma.

Die modernen Kelteranlagen lassen sich besichtigen, die Weine auch probieren und käuflicbh erwerben. Leider muß man hierzu die seltenen Zeitpunkte abpassen, wo nicht gerade wieder eine Busladung Russen die Aufmerksamkeit des Personals bindet.

 

Lixouris selbst war lange Zeit – bevor es die Rolle an Argostoli abtrat – Hauptstadt von Kephalonia. Der Weg nach Lixouris ist landschaftlich interessant, die Stadt bietet rein gar nichts an Se-henswürdigkeiten. Nur der mächtige Gummibaum auf dem Marktplatz überlebte die Zerstörung der Stadt durch das Kephalonia-Beben von 1953.

 

Auch wer nicht Baden möchte, sollte unbedingt den Strand von Xi besuchen. Xi liegt nicht weit entfernt, südlich von Lixouri. Die Küste besteht aus an die 20-30 meter hohen „Felsen“ aus weißem Ton, die durch Erosionsprozesse bizarre Formationen ergeben, die stark an die Kreidefelsen von Rügen erinnern. Vom Sandstrand aus kann man einige 5o Meter durch das flache, badewannenwarme Wasser ins Meer hinauslaufen, ohne Schwimmen zu können. Für Familien mit Kindern ideal.

 

Leider ist es kaum möglich, durch Griechenland zu reisen, ohne irgendwo an die Verbrechen der Deutschen Wehrmacht und der SS erinnert zu werden. Auf Kephalonia trifft man oberhalb von Argostoli, nicht weit vom Leuchtturm entfernt, auf das „monumento ai caduti “.  Das schlichte Monument gedenkt der über 9000 italienischen Soldaten, die nicht nur Opfer von Kampfhandlungen wurden, sondern Großteils Opfer eines grausamen Rachezuges der Wehrmacht wurden. Allein über 5200 gehörten der italienischen Division „acqui“ an, die von ihnen wurden in einem Massaker von der Wehrmacht hingerichtet.

http://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_auf_Kefalonia

 

Da Italien, das zunächst bis 1941 an der Seite Hitlerdeutschlands Griechenland besetzte, sich September 1943 den Allierten ergeben hatte, wurden auf Kephalonia festsitzende italienische Seiten nun als Feinde und Verräter aufgefasst. Es erging der Befehl vom Oberkommando der Wehrmacht, dass „wegen des gemeinen und verräterischen Verhaltens auf Kephalonia keine italienischen Gefangenen zu machen“ seien. Am 21. September 1943 wurde die gesamte Divison von Acqui, die sich komplett den Deutschen ergeben hatten, hingerichtet. Weitere Italiener starben bei Evakuierungsversuchen, indem ihre Schiffe versenkt wurden oder bei direkten Kampfhandlungen.

 

Die Kriegsverbrechen der Wehrmacht hatten nach 1945 kaum ein ernsthaftes juristisches Nachspiel. Erst auf Anfrage Simon Wiesenthals nahm man 1962 Ermittlungen auf, die 1967 unter fadenscheinigen Begründungen eingestellt wurden. Auch weitere Versuche einer juristischen Aufarbeitung des Kriegsverbrechens verliefen immer wieder im Sande, zuletzt im Jahre 2006.

 

 

 

Inselhüpfen: über Levkada auf Kephalonia. Ankunft in Argostoli

11.09.2013

Levkada nimmt unter den Ionischen Inseln eine gewisse Ausnahmestellung ein. Sie liegt derart nahe am Festland, dass man sie heute über einen wenige Kilometer langen Damm, der die lagunenartig flache Meerenge führt, erreichen kann. Nur eine kleine Schiffbrücke trennt die Insel alle paar Stunden vom Festland ab, um kleinere und größere Boote hindurch zu lassen.

Die enge Lage am Festland führte auch dazu, dass Levkada wie das übrige griechische Festland lange Zeit unter osmanischer Besetzung stand, allerdings mit kurzen Unterbrechungen. Alle übrigen ionischen Inseln standen dagegen seit dem 13.Jahrhundert – mit kurzen Ausnahmen im 19.Jhdt – bis 1864 unter venezianischer, dann italienischer Herrschaft.

An der venezianischen Festung „Santa Maura“ steht die Ampel auf rot. Das Brückenschiff fährt die Klappen hoch, wendet. Segeljachten durchfahren den freigegebenen Kanal, nach einer viertel Stunde dreht sich die Schiffbrücke wieder zurück, und gibt den Weg für die lange aufgestaute Autoschlange Richtung Hauptstadt der Insel frei. Sie trägt – wie viele griechische Inselhauptstädte –  keinen eigenen Namen, sondern den der Insel. Der Ort Levkas gilt als von seiner Architektur als „eher osmanisch“ geprägt, was man jedoch nur mit Einschränkung so sagen kann. Die noch erhaltenen alten Wohnhäuser stammen vorwiegend dem 19.Jahrhundert, es waren einst „nach osmanischer Art“ mit Holz verkleidete Fachwerkbauten.

Wellblechromantik in Levkada

Heute ist das Holz fast ausnahmslos durch farbig lackiertes Wellblech ersetzt- diese praktische, industrielle  Errungenschaft der Mitte des 20. Jahrhunderts es bestimmt heute die Straßenzüge von Levkada. Dekorative Elemente in neoklassizistischem Stil wurden bei der Wellblechaktion, die wohl im Zuge des Wiederaufbaus der Stadt nach dem verheerenden Erdbeben 1953 stattfand, glücklicherweise häufig belassen, so dass sich das Material aus einer gewissen Entfernung „wegguckt“.

Eisernes Campanile; errichtet nach dem beben von 1953

Sowohl Levkada als auch Kephalonia verloren bei dem Erdbeben 1953 fast alle Steinbauten, und damit einen Großteil der Kulturgüter. Die Wunden, die diese Naturkatastrophe riß, konnten nie geschlossen werden. Bei näherem Hinsehen sind sie allgegenwärtig. Kirchenfassaden, manchmal auch freistehende Campaniles in einer Art „italienischem Barock“ verleihen der Stadt – wie auch den Ortschaften der Insel Levkada (und auch Kephalonia) ein italienisches Flair. Bei näherem Hinsehen sind es Fassaden aus Gußbeton, die nur entfernt etwas mit den untergegangenen Originalen zu tun haben.

Im Ort Levkada selbst haben nach dem Beben nicht nur Wellblechvertreter gewirkt, sondern auch Eisenschmiede. Viele Kirchtürme Levkadas wurden – zunächst offenbar provisorisch – durch teils kunstvoll gefertigte Eisengerüste ersetzt. Einige von ihnen haben mittlerweile selber Denkmalwert.

 

Der Hafen von Levkada wird hauptsächlich von Freizeitskippern belegt.

Levkada selbst ist heute ein lebendiges Städtchen, das neben romantischen Gäßschen auch über eine belebte Fußgängerzone, einen ziemlich großen Freizeithafen für Segler und eine ausgedehnte Uferpromenade verfügt. Sehenswert ist das archäologische Museum, das im städtischen Kulturzentrumskomplex am Ende der Promenade untergebracht ist.

Auf vier Räumen wird thematisch – anhand von Originalen und sehr gelungenen Rekonstruktionen  die prähistorische Archäologie bis hin zur klassischen Antike erläutert. Das Museum beherbergt unter anderem Teile der Sammlung des berühmten deutschen Archäologen Willhelm Dörpfeld, nach dem auch eine der großen Strassen im Zentrum Levkadas benannt ist („Derpfeld Gulielmo“). Dörpfeld, langjähriger Direktor des Athener Deutschen Archäologischen Institutes,  lebte hier lange Zeit bis zu seinem Tode 1940 hier in Levkada. Ein Leben lang verfolgte ihn eine fixe Idee: hier das Ithaka der homerischen Odyssee zu finden. Vergeblich.

Vom Hauptort im Norden der Insel braucht man eine knappe Stunde bis zu dem „auch ganz netten“ Ort Wassiliki, der ein beliebter Anlaufort für mehr oder weniger zu Wohlstand gelangte Touristen aus dem Balkan, aber auch äußerst betuchten Yachtbesitzern geworden ist. Die Anlegestelle für die Autofähre nach Kephalonia findet man erst nach einigem Suchen, etwas entlegen an der langen Strand- und Uferpromenade.

Wassiliki

Zwei verwaiste Bürocontainer nennen die Abfahrtzeiten, gegen 17.00 h soll die Fähre abfahren – doch niemand ist da, der Fahrscheine verkaufen könnte. An der Scheibe kleben ein paar Telefonnummern, die Anrufe dorthin laufen ins Leere. Erst nach mehrfachen Nachfragen bei Ortskundigen werden wir an ein Reisebüro verwiesen, dort erhalten wir Fahrscheine und bekommen versichert, dass die Fähre tatsächlich komme. Dem ist auch so. Das für den kleinen Ort recht mächtige Fährschiff „Käpten Aristidis“ legt denn auch an, und nimmt uns mit.

Kephalonia ist schon kurz nach der Abfahrt von Wassiliki deutlich auszumachen, links daneben türmen sich die Berge von Ithaka auf. Nach einer Stunde Fahrzeit landen wir an der Nordspitze von Kephalonia, im Hafenort Fiskardo. Der allerdings sehr kleine Ort soll einer der Wenigen sein, die vom Erdbeben halbwegs verschont wurde – wir lassen ihn liegen, denn unser Ziel ist die größte Stadt der Insel, Argostoli.

Auf dem Weg von Fiskardo nach Argostoli durchfährt man einige Postkartenbilder.

 

Irgendwo zwischen Fiskardo und Argostoli.

Der Weg dorthin dauert wieder eine Stunde, immer wieder taucht tief unterhalb der Steilküste, an der entlang die schmale Strasse führt, das Meer auf.  In der Tat erscheint die Insel „italienisch“ geprägt, wenn man das klassische Italienklischee mit Zypressenbewachsenen Hängen, offener Landschaft und hellockerfarbenen Steinhäusern bedient  (derer im Norden der Insel tatsächlich noch wenige erhalten sind. Über den Ortschaften herrschen „italienisch-barocke“ Kirchen, mit Campanile und Zwiebelturm, selbstverständlich aus Stahlbeton.

Argostoli liegt an einer einer länglichen Bucht auf einer Halbinsel. Bei annähernd 9000 Einwohnern ist man von dem geradezu großstädtischem Flair des Ortes überrascht.

Ankunft in der Abenddämmerung in Argostoli.

Die Innenstadt hat eine weitläufige „Platia“, einem zentralen Platz, der von öffentlichen Verwaltungsgebäuden und repräsentativen Hotels gesäumt wird. Neben der Fußgängerzone, die von der Platia abgeht, findet das Leben auch unten, an der Uferpromenade statt. Hier gibt es Markthallen, in denen Obst, Fisch und andere Lebensmittel feilgeboten werden, Werkstätten und Läden aller Art, gute Restaurants, Hotels und vieles mehr. Am Kai verhandeln Fischer mit Hausfrauen über den Preis ihrer Fische, die sie direkt vom Boot aus verkaufen. An keinem Ort in Kephalonia kann man gehobene, ionisch-griechische Küche besser genießen als in Argostoli. Zu empfehlen: Restaurant Ampelaki (www.ampelaki.gr), das mit hervorragenden Gerichten weit jenseits des an allen Orten mehrsprachig angepriesenem „greek food“ aufwartet. Die Ionische Küche unterscheidet sich von der Festlandsküche durch eine tatsächlich italienisch anmutende Art der Zubereitung, Pastagerichte, um die man sonst in Griechenland besser einen weiten Bogen macht, sind hier sehr zu empfehlen. Aber auch hervorragende Schmorfleischgerichte – die hier – ganz anders als auf dem Festland  mit mild gewürzten Soßen serviert werden, bei denen häufig Wein Träger des Geschmacks ist.

Da wird es dann auch schon einmal raffiniert, etwa, wenn Weinblätter mit Schafskäse und Eiern und Minze gefüllt werden, und die dann wiederum in eine Lammkeule gesteckt, mehrere Stunden im Ofen mit Wein und Zwiebel geschmort werden.

Wem nach Fischgerichten ist, dem sei die – nicht einfach zu findende – Taverne „Vinaries“ am nördlichen Ortsausgang zu empfehlen. Sie findet sich in Verlängerung der Küstenpromenade, fast schon an der Nordspitze der Halbinsel Argostoli, in einem kleinen Kiefernwäldchen am Wasser. Die etwas schlicht gehaltene Taverne besticht neben ihren stilvollen Mesedes, Tsipouro und lokalem Wein mit bestem, fangfrischem Fisch (Λάσση, Αργοστόλι, Κεφαλονιά 28100).

–         wird fortgesetzt –


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Quer durch Griechenland: von der Ostküste an die Westküste.

Mittelgriechenland ist eigentlich recht schmal. Von der Ostküste bei Larissa/Aghiocampos bis an die Westküste, zum Ionischen Meer, sind es Luftlinie vieleicht 250 Kilometer. Doch zwischen diese direkte Verbindung schiebt sich das gewaltige Pindus-Gebirge im südlichen Ipiros. Es ist nicht das erste Mal, dass wir den Weg durch das Gebirge suchen, um an die Westküste zu gelangen.


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Das Ziel der Fahrt gilt den Ionischen Inseln Levkas und Kephalonia. Es gibt verschiedene Alternativen, die Westküste zu erreichen. Die meisten Navis und auch alle Einheimischen schlagen einen längeren, bequemen Umweg vor, der über die teils autobahnähnlich ausgebaute Via Egnatia über Ioannina und Igoumenitza führt.

Die Strecke ist tatsächlich bequem – aber längst nicht so spannend. Zudem fallen hier erhebliche Mautgebühren an. Also nehmen wir lieber doch den fast direkten Weg durch das Gebirge.

In älteren Reiseberichten habe ich über diese Strecken schon berichtet [hei-wu 2011,2012] – wir sparen uns das an dieser Stelle. Kurz hinter der „Einfahrt“ ins Pindos – Gebirge bei Pyli nehmen wir noch einmal Benzin an einer Tankstelle auf. Während wir und betanken lassen, sehen wir einer betagten alten Frau zu, die die reifen Körner von Maiskolben in einen großen Kübel puhlt.

Sie erklärt uns, dass Daraus Maismehl gemahlen wird. Das sei gut, um „Plasto“ (Πλαστό) daus zu machen. Wir sehen sie etwas verständnislos an, denn von dem Gericht haben wir nie gehört. Sie wiederum sieht uns so an,  wie eine mitteldeutsche Oma dreinschauen würde, wenn ihr jemand begegnet, der keine Kartoffeln kennt. Der Beschreibung nach ist dieses im Pindos und Thessalien traditionelle Gericht ein Zwischending irgendwo zwischen Gemüsepizza und überbackener Polenta, Rezepte lassen sich auch durchaus im Netz finden, jetzt, wo wir wissen, wonach man suchen soll: http://www.sintagoulis.gr/tag/%CF%80%CE%BB%CE%B1%CF%83%CF%84%CF%8C%CF%82

Lecker sehen die kleinen Häppchen auf den Abbildungen jedenfalls aus.

Die Deichbauverhinderer von Sykia.

Von der Weiterfahrt durch den Pindos werden wir – aus aktuellem Anlaß – nur noch das Wiedersehen mit einem alten Bekannten erwähnen:  Dem Damm von Sykia. Seit unserer Vorbeifahrt im Sommer 2011 hat sich an dem fast fertig gestelltgen Dammbau nichts mehr bewegt. Ein paar mehr gesprühte Parolen sind noch hinzugekommen. An sonsten steht der über 170 Meter hohe Damm verlassen da – es gibt nichts zu stauen, keine Baumaschine ist mehr zu sehen. Seit 2000 beschäftigen sich die Gerichte mit dem wohl umstrittensten Großprojekt Griechenlands, und seit 2005  herrscht Baustopp.

Der Widerstand von Umweltschützern und Bewohnern mehrerer Ortschaften, die von dem aufgestauten Fluß Acheloos überflutet werden sollten, hat wirkung gezeigt.. Das Projekt hat allerdings auch einen gewaltigen anachronistischen Charakter. Der Fluß Acheloos entwässert das Pindos-Gebirge Richtung Westen – zum  Neidwesen der Bauern in der thessalischen Tiefebene, die das Wasser gerne Richtung Osten fließen sehen möchten, um ihre durstigen Baumwollfelder zu bewässern. Die Idee, einfach den ganzen Fluß umzuleiten, stammt bereits aus den 1930er Jahren, 1988 begann man ernsthafte Planungen. Vom Stausee aus sollte das gesamte Wasser des Flusses durch eine 11 Meter dicke Betonröhre von West noch Ost umgeleitet werden. Man muß etwas weiter ausholen, um den ganzen Wahnsinn des Projektes zu verstehen. Die thessalische Ebene  um Larissa ist seit der Antike die Kornkammer Griechenlands schlechthin. Doch – auch dank großzügiger Förderung der EU – ist der Anbau der im Vergleich zu Getreide weitaus durstigeren Baumwolle lukrativer. Wo einst Getreide angebaut wurde, dehen sich heute Baumwollfelder aus. Reichlich besprengt mit Wasser, das man teils aus dem Fluß Pinios, vor allem aber aus den grundwasserführenden Geröllschichten pumpt. Pestizide und Düngemittel werden über das Grundwasser immer wieder im Kreis gepumpt – mit mittlerweile erschreckenden Folgen für die Qualität des immer mehr versalzenden Wassers. Neben diesen Giften reichern sich zudem Schwermetalle, insbesondere das in den umliegenden Bergen natürlich vorkommende Arsen, auf den Feldern an. Da kam die Idee natürlich recht, das vergiftete Wasser mit Frischwasser aus den Bergen zu verdünnen.  Da sich mittlerweile auch in Griechenland das ökologische Bewusstsein gewandelt hat, und das Misstrauen gegen staatliche Großprojekte ohnehin auf einer gewissen Tradition aufbaut, wird man wohl noch in einigen hundert Jahren die Ruine des Sykia-Staudamms als das bewundern dürfen, was er ist: ein betongewordenes Dokument des Irrsinns. „Der Acheloos wird sich wehren“  steht denn auch auf den Betonmauern am Damm, und „Nieder mit dem Deich, weg mit den Dämmen“.

http://www.water-technology.net/projects/acheloos/

Gegen Abend haben wir die Küste des Ambrakischen Golfes erreicht, in Vonitzsa suchen wir eine Unterkunft, von wo wir am nächsten Tag zum Sprung auf die Inseln Levkas und Kephalonia ansetzen wollen. Die letzten Kilometer sind eine Tortour, auf der die viel zu engen Straße liefert sich internationaler Lastwagenverkehr eine Rennmeisterschaft, die meisten Laster sind offenbar in südlicher Richtung unterwegs, Richtung Rio/Antirio, von wo sie wohl Kurs auf die Hafenstadt Patras nehmen wollen.

Auf dem Weg hinunter Richtung Arta zeigt sich das Pindos-Gebirge nochmal in seiner ganzen Pracht

Vonitza ist ein „nettes Örtchen“, es hat eine kleine Flaniermeile, eine „Yes-please-Taverne“ reiht sich an die andere, und das Hotel „Marina“  ist siffig, dreckig und die Enscheidung, hier ein Zimmer mit Meerblick zu nehmen,  rächte sich bis tief in die Nacht mit „Ums-Ums-Rhythmen“ der Bars an der Promenade.

 

 

 

 

Anmerkungen:

Hei-Wu 2011, 25.08.2011, Halleforum  (z.Zt. offline)

Hei-Wu 2012, Hallespektrum, 27.08.2012 (http://hallespektrum.de/heiwu/2012/08/31/parga-metsovo-kalambaka-larissa-der-geo-biographische-hoehepunkt-der-reise/)

 

 

Samentausch zwischen Nonnen, Kleinbauern und Bürgerbewegten. Die 4. thessalische Saatgut-Tauschbörse in Dimitra.

(7. September 2013)

Das kleine Dörfchen Dimitra liegt links, nicht weitab von der Strasse zwischen Larissa und Aghia, etwa auf halbem Wege. Der rasterförmige Grundriß erinnert, von den Hängen des Ossa-Gebirges aus gesehen, an das Modell einer antiken römischen Kleinstadt. Aber nur von dort. Es liegt zwischen Baumwollfeldern und hat mit seinen langweiligen flachen Häusern aus den 1950 und 60er Jahren, umherknatternden alten Treckern und abgestellten Baumwolllastern rein gar nichts zu bieten. Hier möchte man nicht einmal tot über dem Zaun hängen.

Der Ort Dimitra in der Thessalischen Ebene, vom Hang des Ossa-Gebirges aus gesehen.

Dennoch pulsiert heute, am 7. September, auf der Plateia von Dimitra das Leben. Zum 4. Mal haben mehrere Organisatoren zum Thessalischen Samentauschtreffen eingeladen. Dahinter stecken Organisationen, wie sie eigentlich verschiedenartiger nicht sein können: Die Initiative «Engagierte Bürger Larissas“ (ενεργοι πολιτες λαρισας), das Nonnenkloster St. Johannes der Täufer mit Sitz bei dem weiter oberhalb gelegenen Ort Anatoli (Ιερα Μονη Τιμιου Προδρομου), die Gemeinde Aghia, die alternative Ökobewegung PELETI (Εναλλακτικι Κοινοτιτα ΠΕΛΙΤΙ) und viele weitere kleine Gruppen und Verbände. Mit der Tauschbörse bezweckt man nicht nur, untereinander selbst geerntetes Saatgut zu verteilen. Vielmehr ist dies Teil einer – auch sonst in Europa – zunehmenden, starken Bewegung, die der Politik internationaler Saatgutkonzerne ebenso entgegentreten will, wie dem Europäischen Gesetzgeber, der in den letzten Jahren mehrfach versucht hat, das Saatgutgesetz zu Gunsten großer Saatgutkonzerne zu ändern. Über die gesamteuropäische Bewegung, die insbesondere auch in Deutschland so stark geworden ist, kann man sich im Netz gut informieren. So läuft zur Zeit eine europaweite Unterschriftenaktion gegen die geplante neue Saatgutverordnung der EU: https://www.openpetition.de/petition/online/saatgutvielfalt-in-gefahr-gegen-eine-eu-saatgutverordnung-zum-nutzen-der-saatgut-industrie

Die Befürchtung der Bewegung besteht darin, dass mit dem Verbot – auch privat – nicht zertifiziertes und zugelassenes Saatgut zu vertreiben, die reichhaltige Vielfalt europäischer Kulturpflanzen, insbesondere historischer und alter Landsorten, sterben könnte. Bauern und Kleingärtner würden so von den Interessen der Saatgutkonzerne abhängig gemacht, weil sie nicht mehr lizenzfreies „open Source“- Saatgut ausbringen könnten.Während solche guerillahaften Samentauschaktionen in Deutschland vorwiegend  – und auch sehr erfolgreich – über das Internet abgewickelt werden,  trifft man sich hier, in Dimitra, vor Ort.

Die 4. Thessalische Samentauschbörse in Dimitra

Das subversive Treiben ist gut organisiert, und mutet von außen zunächst wie ein kleines Volksfest an. Um die eigentliche, streng nichtkommerzielle  Tauschbörse herum haben Verkäufer alternativer Produkte versammelt, die Nonnen des Johannesklosters verkaufen selbst hergestellten Käse, Honig, Liköre und Tsipouro, andere Biobauern sind mit Hülsenfrüchten, Kartoffeln, mehreren Soten Trachanas (einer Art fermentierter und getrockneter Grütze, aus Weizen und Milch bereitet, etwas weit verwand mit Couscous), Nudeln und Marmeladen vertreten.

Der Verkaufsstand der Nonnen vom Johanneskloster.

 

 

 

Auch die „Gyfti“ (eine Sinti-Roma-Gruppe), die bei keiner Menschenansammlung fehlen dürfen, sind mit einem klapprigen Pickup angereist und verkaufen bunt schillernde Luftballons. Die eigentliche „Tauschbörse“ besteht aus einer Reihe von etwa 15 Tapeziertischen, hinter denen die einzelnen Veranstalter Mühe haben, die Unmengen in liebevoller Kleinarbeit abgefüllter und beschrifteter Samentüten gegen allzu gieriges Publikum zu verteilen.

Diese Samenbank ist schon bald bankrott :)

Die Schlangen entlang der Tische sind enorm, das Angebot selbstgeernteten Saatgutes auch. Verschiedenste alte Tomatensorten, Auberginen, Mangold, Kürbissamen, Kräuter, Gurken, Melonen und Sonnenblumen sind der Renner. An semiprofessionelle Biobauern wird aber auch Getreide verteilt – so etwa Hart- und Weichweizen verschiedener Provenienz. Natürlich darf auch Stevia, das modische Süßkraut, im Sortiment nicht fehlen. Stevia rebaudiana ist mittlerweile Symbolpflanze im Kampf gegen die Großkonzerne geworden – weil die EU – angeblich wegen Kumpelei mit der Süßstoff und Zuckerindustrie – dem harmlosen Pflänzchen über lange Zeit die Zulassung als Nahrungszutat nach der „Novel-Food-Verordnung“ verweigert hat.

Eine Tauschbörse im engeren Sinne findet hier in Dimitra eigentlich nicht statt – denn das Saatgut wird an das sich um die Tische drängende Publikum kostenlos in kleinen Portionen verteilt. Der Tauschcharakter besteht denn auch mehr in der Erwartung, dass die Samenempfänger ihr geerntetes Saatgut beim Treffen im nächsten Jahr wieder der Börse zur Verfügung zu stellen.

Wo etwas kostenlos ist, da schart sich das Volk, doch einzelne besonders gierige „Absahner“ werden dann auch schon einmal höflich hinwegkomplimentiert. „Sie haben nun wirklich genug von uns bekommen, gehen Sie doch mal bitte an einen anderen Tisch“, ist dann auch schon mal von den frommen Schwestern an Tisch eins zu hören. Nach etwa zwei Stunden sind die Samentütchen dann auch schon weitgehend an die etwa 300 Leute, die zu dem Basar gekommen sind, verteilt. Jetzt erschallt vom Gemeindezentrum neben der Plateia das Megafon, um das Ende der Tauscherei zu verkünden, und die Leute nur zur Versammlung im Gemeindesaal einzuladen. Keine Veranstaltung kommt in Griechenland ohne Versammlung und Omilies“, Reden, aus. Eine kleinere gruppe der Teilnehmer bewegt sich nun auch dort hin, der Rest stärkt sich lieber mit Tsipuro und Mesedes in der Mittagshitze unter den Platanen.

Hart- und Weichweizen

Im Gemeindezentrum von Dimitra stellen die Initiativen sich und ihre Projekte vor.

Im stilvoll eingerichtetem Raum des Gemeindezentrums sieht es ein bisschen aus wie bei einer evangelischen Erntedankfeier, der Rednertisch ist dürftig mit ein paar Kürbissen und Tomaten dekoriert. Hauptredner gibt es in der basisdemokratisch angelegten Veranstaltung nicht, und so wird jeder Initiative eine kurze Vorstellung ihrer Arbeit und ihrer Motivation zur Teilnahme an der Tauschbörse eingeräumt. Das Nonnenkloster stellt sich vor – es scheint eine recht fortschrittliche Truppe innerhalb der ziemlich strengen, reaktionären orthodoxen Kirche zu sein. Die Schwesterngemeinschaft ist international zusammen gesetzt. Eine Nonne, die aus Deutschland stammt, haben wir später noch näher kennen gelernt, wir werden sie übernächste Wiche im Kloster besuchen. Die Nonnen, die aus allen Herren Ländern dieser Welt stammen, haben sich neben ihrem Dienst an Jesus Christus der traditionellen und ökologischen Landwirtschaft verschrieben. Anders, als es in vielen orthodoxen Klöstern Griechenlands üblich ist, erledigen sie die anstehenden Arbeiten selbst. Sie verfügen über Kuh- und Schafställe, eine Käserei und betreiben auf ihren Feldern den arbeitsintensiven Anbau von Biogemüsen per Hand.

Die engagierten Bürger von Larissa

 

Zum ersten Mal beteiligt sich die „Initiative der engagierten Bürger von Larissa“.  Dieser lockere Zusammenschluß von Bürgern aus Larissa und Umgebung sieht seine Kernaufgabe darin, die durch die Wirtschaftskrise entstandene soziale Not zu lindern. So hat man eine Art „Tafel“ organisiert, man verteilt Lebensmittel, die von landwirtschaftlichen Betrieben hergestellt werden, oder aber von Restaurants geliefert werden. Motto: „Es darf nichts übrigbleiben, nichts wird weggeworfen“. Die Initiative ist halt sehr basisdemokratisch, es gibt weder einen Vorstand, noch eine Kasse. Es werden nur Sachspenden angenommen. Geldverkehr hat man untersagt.

Gegen Abend treffen wir uns noch mit Freunden, die auch als aktive Mitglieder der Initiative an der Aktion beteiligt waren. Unter der Hand erfahren wir denn auch, dass es durchaus zu Reibungsverlusten kommt, in der mittlerweile auch über 200 Aktive mitwirken (bei einer noch größeren Zahl inaktiver Mitglieder). Auch bei der Vorbereitung der Saatgutaktion gab es schon mal Schwierigkeiten. So hätten einige der Mitglieder – allesamt nicht gerade erfahrene Saatgutzüchter, teils nicht einmal Gartenbesitzer  – auch schon einmal unreifes und taubes  Material in Tüten verpackt.

Und ob das wohl wirklich alles freie, ungeschützte Landsorten sind, nur weil sie bei Oma schon seit zwei Jahren im Garten wachsen? Letztlich ist es auch egal. Es geht, neben allem Spaß und praktischem Nutzen, um ein politisches Signal.

Einige Redner im Gemeindesaal betonten auch den pädagogischen Anspruch der Saatgutaktion: dass die Menschen sich endlich einmal mit der Herkunft ihrer Nahrung und deren politischen Funktion beschäftigen sollen.
Und ein lustiges Fest ist es allemal. Der örtliche Rundfunk berichtet darüber, schließlich mag das einen ähnlich ernst zu nehmenden Effekt erreichen wie einige tausend Online-Unterschriften.

Die Larissäer Gruppe hat derweil auch andere Probleme. Denn, wie auch bei richtig hierarchischen Organisationen, gibt es schon mal Unstimmigkeiten hinsichtlich der ideologischen Ausrichtung. Gerade hatte eine heftige Diskussion stattgefunden, ob man als überparteiliche Initiative auch Mitglieder politischer Parteien aufnehmen könne.  Irgendwoher kennen wir das alle.

 

Was „die da oben“ so machen: Dion, Olymp und ein Rezept für Götterspeise.

(04.09.2013)


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Hinter der Abzweigung nach Rapsani kann man auch weiter der Nationalstrasse Richtung Norden folgen. Dann schieben sich die Hänge des Olymp derart nahe an die Küste heran, dass nur eine schmale Passage zwischen Berg und Meer bleibt. Rechterhand sieht man eine gewaltige Festung von Platamonas stehen, sie stammt in ihren Ursprüngen schon aus früh/mittelbyzantinischer Zeit (6.-10. Jhdt n. Ch.). Während der 4. Kreuzzüge – Griechenland stand mal wieder unter westlicher Fremdherrschaft – hat das fränkische „Königreich Thessaloniki“ das „Kastro“ zu seinem heutigen monströsen Erscheinungsbild ausgebaut. Mit seinen vielen oktogonalen Türmen und Mauern, auf einer kleinen Anhöhe gelegen, erinnert es mehr an eine Stadtbefestigung denn an eine einfache Burg. Hier musste jeder vorbei, der sich von Nord nach Süd bewegte. Das weiß auch heute noch die Autobahngesellschaft, die auf dem immer noch nicht ausgebautem Teilstück der „Ethniki Odos“ innerhalb weniger Kilometer hier gleich zwei Mautstationen („Diodia“) eingerichet hat (ca. 15 Kiliometer = 4 €,- /PKW ). Ansonsten ist Platamonas wegen seiner langen Sandstrände am Thermaischen Golf bei einheimischen und ausländischen Touristen beliebt.

Ein Stück weit hinter Platamonas, noch bevor man die Stadt Katerini erreicht, kommt die Abfahrt Litochoro /Dion.  Litochoro – ein Dorf, das Olympwanderern gerne als Basisstation dient, fahren wir nicht an, sondern folgen den Hinweisschildern weiter nach Dion.

Reste des Zeustempels in Dion vor dem Olymp

Dion war in der Antike gewissermassen die ständige Vertretung der olympischen Götter im real existierenden Griechenland.  Die Lage war dafür wie geschaffen: Die Bäche aus dem Olymp versorgen den Ort ganzjährig mit reichhaltig Wasser, die Gegend ist fruchtbar, und der heilige Berg präsentiert sich von hier unten in vollendeter Pracht.

Hypokaustheizung einer römischen Bäderanlage in Dion.

Die Anfänge der Siedlung liegen im 7. Jahrhundert v. Ch, die Makedonier bauten den Ort als Heiligtum und Pilgerstätte aus. Hier fanden die ersten olympischen Spiele um 400 v. unter dem Makedonischen König Archelaos statt. Philipp II, Vater Alexander des Großen, baute die Stadt zu einer Festung aus.  Die Pilgerstädte im Vorgarten vor dem Haus der olympischen Götter florierte. Aus der Blütezeit des Ortes in hellenistischer und römischer Zeit sind neben einigen Zeus,- Demeter usw. Tempeln auch Kultstätten für die synkretistisch eingebürgerten Gottheiten fremder Religionen, wie etwa der Isis, vertreten. Der Olymp war vermutlich wegen seiner fortschrittlichen Einwanderungspolitik, die fremden Göttern, so sie die nötigen Qualifikationen mitbrachten, durchaus aufgeschlossen war, recht erfolgreich. Immerhin währte das Götterreich bis in die Spätantike im 3. und 4. Jahrhundert, danach wurde der Ort mehrfach von Hochwassern getroffen, aber auch noch in frühchristlicher Zeit bemächtigte man sich noch der Deutungsmacht des Ortes. Danach geriet der Ort in die Bedeutungslosigkeit, bis die Universität Thessaloniki in mehreren Etappen von 1928 bis in die 1970er Jahre hier Ausgrabungen durchführte.. In der Folge entstand ein –bis Anfang des 21. Jahrhunderts – verwahrloster, jetzt gut gepflegter archäologischer Park. Mit seiner üppigen Vegetation, den vielerorts hier rauschenden Bächen und Tümpeln, und den darin eingebundenen Resten von Tempelanlagen und der mittlerweile auch gut ergrabenen zivilen Stadt mit römischen Bäderanlagen ist so eine Art modernes Wörlitzer Gartenreich entstanden.  Im 300 Meter entfernten archäologischen Museum werden im – übrigens für griechische Verhältnisse didaktisch gut aufbereitetem – Museum die Funde der Grabungen ausgestellt. Neben dem üblichen hellenistischen Nippes darf das wohl bedeutendste Exponat nicht unerwähnt bleiben: die gut erhaltenen Reste einer hochentwickelten pneumatischen Orgel mit bronzenen Pfeifen. Sollte die Datierung in das 1. Jh v. Ch stimmen, wäre dies die weltweit älteste erhaltene Orgel überhaupt. Der heutige Ort Dion besteht vorrangig aus Andenkenläden und „Greek Taverns“ , in die sich regelmäßig der Inhalt von Reisebussen übergibt. „Original Greek Foos: Moussakas, Gyros, Schnitzel“ steht auf den Werbetafeln, die eindeutig zur Flucht mahnen.

Die vermutlich älteste erhaltene Orgel der Welt.,

Im Umland wird unter anderem Tabak angebaut, vorwiegend die Sorte „Basmas“, ein hochwertiger Orienttabak, dessen stark würzige kleine Blätter, auf Stangen aufgereiht, unter Zelten in der Sonne trocknen.

Orienttabak „Basmas“ hängt zum Trocknen im Zelt.

Und der Olymp selbst? Dank ausgebauter Klettersteige sind selbst seine Gipfel vor ambitionierten Freizeit-Bergsteigern nicht mehr sicher. Unkonditionierten Faulpelzen wie uns erschließt sich das Massiv immerhin bis in einer Höhe von 1100 Metern sogar mit dem Auto, wenn man nicht Schrammen und Beschädigungen des Unterbodenschutzes fürchtet.


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In Dion ist der Olymp schlichtweg als solcher ausgeschildert, nach einem Kilometer hört der Asphalt auf, die Schotterpiste verläuft entlang eines nahezu ausgetrockneten Bachtals zwischen Wacholderbüschen und Ziegenköddeln bis zu einem Rastplatz mit Kirche und Wasserfall, dann heißt es Anlauf nehmen, und im ersten Gang die steinige Piste hochfahren.

Platanen im Flußgeröll vor dem Olymp bei Dion.

Nach einigen Kilometern knacken die Ohren, es reicht nach qualmender Kupplung, während wir uns über Geröll und plötzlich auftauchende Kalkbrocken den Weg durch Buchen und Kiefern nach oben bahnen. Natürlich ist die Aussicht erwartungsgemäß phänomenal.

Hier hinauf verläuft der Wandersteig hoch zum Katafygion Koromilias

 

Hier werden Hochzeitsbilder inszeniert.

 

Das Katafygion Koromilias (Google-Suche: Καταφυγιο Κορομηλιας) ist vor wenigen Jahren erst entstanden, und befindet sich auf etwa knapp 1100 meter Höhe am Ende der Schotterpiste. Die Katafygia (Schutzhütten) sind Einrichtungen, die denen unserer Alpenvereinshütten ähneln. Betreiber von „Koromilia“ ist ein ziemlich junges Paar. Die beiden versuchen, die Hütte ganzjährig zu betreiben, was aber regelmäßig wegen starker Schneefälle misslingt. Vorletztes Jahr waren sie zweieinhalb Monate lang eingeschneit und von der Außenwelt abgeschnitten. Dazu gehört schon etwas Mut. Ihre Zeit verbringen sie neben dem Herbergswesen mit dem Sammeln von Pilzen und Wildfrüchten, die – vielfach selbst den Einheimischen unbekannt – sie hier zu Likör, Geles etc. verarbeiten und verkaufen.

Die Hütte scheint übrigens ein Anziehungspunkt für die alternative Ökoszene Griechenlands zu sein. Regelmäßig werden hier Seminare für angehende Hobbyimker, Naturwanderungen usw. angeboten.

Wir unterhalten uns mit der Wirtin über die Beeren und Früchte. Sie hat gerade „Krana“ gesammelt. Davon hatte ich schon viel gehört – und sie – aufgrund vieler Falschübersetzungen in griechischen Kochbüchern- für „Cranberrys“ gehalten, jene fad schmeckenden preiselbeerartigen Dinger, die manchmal bei uns im Supermarkt angeboten werden. Ein Irrtum. Die Wirtin zeigt mir die hohen Sträucher, die in der Umgebung wild wachsen, und voll von saftigen, kirschroten, süßsauer schmeckenden Früchten hängen. Es sind Kornelkirschen (Cornus mas). Wieder was gelernt. Das Zeug also, das in städtischen Parkanlagen bei uns aus Verlegenheit als Zierstrauch gepflanzt wird.  Kalbfleisch mit „Krana“ und Quitten übrigens: ein Gedicht und einfach saulecker:

1 kg Kalbleisch, gestückelt wie Gulasch
1 kg Quitten (geschält, in Streifen geschnitten, ohne Kerngehäuse)
250 g Krana (Kornelkirschen)
2 Zwiebeln
2 Tomaten
200 ml Olivenöl <br>
Gewürze:
1 Tl Chili mittelscharf
1 EL Koriandersamen
5 Körner Piment
1 EL Thymian
1 Zimtstange
3 Knoblauchzehen
2 EL Zucker
Salz <br>
Kalbfleisch in Öl anbraten, mit dem Zucker bestreuen.. Zwiebeln, pürierte Tomaten und Gewürze zugeben. Krana mit etwas Wasser zusammen pürieren, von Kernen separieren und Wasser/Fruchfleischgemisch zusetzen. Gericht 1 ½ Stunden schmoren lassen, dabei umrühren und ggf. Wasser zusetzen, um Anbrennen zu vermeiden. Geschnittene Quittenstreifen gegen Ende zufügen und noch 15 min schmoren lassen. Mit Brot servieren.

 

Die Übernachtungspreise in der schlichten, aber gut gepflegten Berghütte sind übrigens konkurrenzlos: 12,- pro Nacht und Bett. Vielleicht einer der letzten Geheimtips in einer sonst stark touristisch erschlossenen Region.

Entlang der Küstenstraße Aghiokampos-Piniosdelta-Rapsani: Zum Wein an die Hänge des Olymp (1. 9. 2013)

Von Aghiokampos führt die Küstenstraße zunächst etwa 15 Kilometer an Strand- und Ferienorten entlang. Im Sommer sind die langen Kiesstrände gut besucht, Ferienhäuser , Bars und Nippesläden reihen sich locker aneinander, wo Kellner in der Hochsaison mit voll beladenen Tabletts in halsbrecherischen Aktionen die stark befahrene Straße kreuzen, um Badegäste am Strand mit Erfrischungen zu versorgen. Jetzt, in der Nachsaison, ist es ruhiger geworden, die herrenlosen Hunde haben wieder von Strasse und Strand Besitz genommen. Bei dem beschaulichen Ort Kokkino Nero biegt der Weg in die Berge ab, man folgt der Strasse nun durch dichte Wälder oberhalb der jetzt felsig gewordenen Küste, bis, kurz vor Stomio, sich ein überraschend neues Bild ergibt:

Blick auf das Pinios-Delta und das in der Ferne liegende Olymp-Massiv.

Tief unten breitet sich eine grün bestandene Ebene aus, in der Ferne dahinter tauchen Berge auf, deren Spitze von dichten Wolken eingehüllt sind: Das Massiv des Olymp, der mit seinen über 2900 Meter hohen Spitzen die höchste Erhebung Griechenlands ist. Doch der Götterberg ist so groß und gleichfalls noch so weit entfernt, dass er in seiner nebelhaften Erscheinung noch wie eine optische Täuschung wirkt. Die Ebene davor ist das Delta des Flusses Pinios. Zwischen Olymp und dem Berg Ossa, an dessen Fuß die Strasse nach Stomio hinabführt, hat der Pinios, von Larissa aus kommend, sich eine tiefe Schlucht, das Tempi-Tal, gegraben, bevor er seinen fruchtbaren Schlamm in seinem Schwemmfächer an der Meeresküste ablagerte. Hinter Stomio fahren wir durch eine rechterseits geradezu niederländisch flach anmutende Landschaft, linkerseits bauen sich bewaldete Berghänge auf.

Plantagen am Fuße des Ossagebirges bei Stomio.

Silberblau klettern hier die Olivenenhaine hinauf, bis sie in den nebelverhangenen Zonen des Ossagebirges verschwinden.

Unter Kiwilauben bei Stomio.

Kiwiplantagen, Wein, Eßkastanien und Gemüsegärten zeigen ein besonders günstiges Mikroklima an. Rechterhand weiden gelbbraune Kühe auf den flachen Wiesen mit Pappel- und Maulbeerbäumen, so, als hätten flämische Maler des 17. Jahrhunderts sie arrangiert.  An die fünf Kilometer fahren wir durch eine teils schilfige Wiesenlandschaft, dann geraten wir unversehens in einen Wald riesiger Platanen, zwischen deren dicken Stämmen das türkisgrüne Wasser des Pinios hindurchleuchtet. Die Ufer sind mit violett blühendem Blutweiderich bestanden.

Am Pinios-Delta

 

Blick in den Ausgang der Tempi-Schlucht mit dem Fluß Pinios.

Dies ist genau die Stelle, wo der Fluß die enge Tempi-Schlucht verlässt und die letzten paar Kilometer in seinem Delta noch ein paar langsame Ehrenrunden dreht, bevor er sich ganz unspektakulär am Strand ins Meer verdrückt. Leider ist der unter Naturschutz stehende Auenwald komplett vermüllt. Da die Autobahnbrücke Athen-Larissa-Thessaloniki hier über die Schlucht führt, nutzen viele Fahrer den beschaulichen Ort zum Picknick, nicht ohne ihre Hinterlassenschaften im Wald an Ort und Stelle liegen zu lassen.

Diese Flußlandschaft wurde Ihnen präsentiert von: Liedl.

Archäologen hätten an der Untersuchung des abgelagerten Zivilsationsmülls ihre helle Freude. Neben Plastiktüten der Billigkette „Lidl“, die auch in Griechenland einen wichtigen Part bei der Versorgung der Bevölkerung eingenommen hat, teilen Ölkanister, Wasserflaschen, albanische und bulgarische Zeitungen neben griechischen Supermarktfaltblättern, Pappbechern und Unmengen Klopapier das beschauliche Ambiente.

Vollkommenes Pan=Orama / oder wohlaufgezeichnete Umsicht / des Flusses Penios / nebst der Strassenbrücke nach Thessalonica und der angrenzenden Wälder/ so sich dem Reisenden bey dem Tempi-Thale zu Thessalien präsentiert.

Kurz nachdem man die Autobahnbrücke Richtung Thessaloniki überquert hat, findet man einen Wegweiser nach links, der in das Olympmassiv Richtung Rapsani weist. Rapsani liegt etwa 15 Kilometer entfernt in einer bergigen, mit Weinreben bestandenen Landschaft hoch oben am Hang.

Da, wo wir von der Nationalstrasse links nach Rapsani abbiegen, haben an der Hauptstrecke Athen-Larissa-Thessaloniki die führenden Modelleisenbahnhersteller Faller, Kibri und Fleischmann den passenden Bahnhof errichtet. Jedes Detail stimmt, sogar die heimelig anmutende Laterne.
Das Olymp-Massiv, das wir alsbald besuchen, läßt sich im Maßstab 1:2000 bequem aus Styroporabfällen errichten.

Der auf etwa 500 Höhenmetern gelegene Ort gilt als einer der besten Weinbaugegenden des Festlandes. Bevorzugt wird die spezifisch einheimische, sehr alte rote Rebsorte Xinomavros angebaut, die zusammen mit den nur in Rapsani vorkommenden Gewächsen Stavroto und Krassato in Mischkultur gezogen wird und zusammen gekeltert wird.

Die Xinomavros-Traube.

Die sehr kräftigen, gerb,- farbstoff- und säurehaltigen Weine werden international gehandelt, insbesondere die Kellerei Tsantali hat diese Weine auch in den mittelpreisigen Regale deutscher Supermärkte platziert. Neben Rotwein wird auch noch der Weißwein „Thessalikos“ und ein – zumindest meiner Erfahrung nach – eher wenig schmackhafter Rose produziert.

Auf der Platia von Rapsani.

Von der „Platia“, dem Dorfplatz von Rapsani, hat man einen schönen Ausblick auf den Gipfel des Ossa/Kissavos, das Meer und das Pinios-Delta. Mehrere Weinhandlungen sind in dem Ort verteilt.

Ausblick von Rapsani auf das Ossa-Gebirge und das Pinios-Delta.

In einem eher kleineren Lädchen, das vor allem dadurch besticht, dass der Ladeninhaber, ein älterer Opa, seine Geschäftsausstattung seit den späten 1960er Jahren nicht mehr verändert hat, wollen wir Wein einkaufen. Ob wir erst einmal probieren wollen, fragt der alte Herr uns. Er füllt uns aus seinen 5-Liter-Schläuchen (a 15 € !) Gläschen ab, das Ergebnis ist interessant bis geradezu niederschmetternd. Aus Höflichkeit erwerben wir dann doch lieber zwei Flaschen zu je 8 €, die er offensichtlich nicht selbst produziert hat, deren Verkostung zu Hause verläuft dafür dann nicht so enttäuschend. Vermutlich erzeugt die Lage in Rapsani auch Spitzenweine, aber das würde sicher professionellere Recherche erfordern. Schade, denn die Verkostung der am Wegesrand stibitzten, hocharomatischen Xinomavro-Trauben mit ihrem leichten Muskatellergeschmack hatte mehr versprochen.