15.08.2012. Zagora und Chorevto. Das Fest der Maria. Ab morgen nur Nudeln und Linsen.

Mittags raffen wir uns auf, in Schlangenlinien fahren wir von Zagora hinunter an den Ort Chorevto. Von Zagora aus sieht man ihn liegen, unten an der

Küste, man meint, ihn mit entsprechend langem Arm und einem Steinwurf erreichen zu können. Das ist eine optische Täuschung, denn mit dem Auto braucht man locker eine Dreiviertelstunde, bis hinunter zum Strand.

Bei „Petros“ in Chorevto, Pilion.

Um Marias Namenstag gebührend zu feiern, haben wir bei „Petros“ reserviert. Nach dem Baden rücken wir ein in das Lokal, Weinreben überranken die Pergola, an die zehn Kellner im weißen Hemd flitzen hin und her, kommen an den Tisch, sagen auf, was es heute gibt. An Fischen haben sie heute fast alles, was das Meer zu bieten hat. Der Schwager ordert für uns so ziemlich die ganze heimische Unterwasserwelt, es klingt, wie in einer Zoologieprüfung im höheren Semester. Bevor das „Gastmahl des Meeres“  serviert wird, sind allerdings noch Chemie und Botanik dran. Die Künste der Destillation müssen in Form zweier Sorten Tsipouro gewürdigt werden, der in kleinen Fiolen serviert wird.

Krithama (links) und Vlita (rechts)

Seit Jahren schon gilt Tsipouro ohne Anis („choris glykaniso“) als das Getränk der Kenner, dass dazu Mesedes serviert werden, ist selbstverständlich, denn auch der Pilion gehört zu Thessalien. Der Tsipouro ist bemerkenswert, man hat offenbar etwas Mastixharz bei der letzten Destillation der Maische beigegeben. Unter den Mesedes finden wir botanische Besonderheiten, so gedünstete „Krithama“, Meerfenchel, den man von den nackten, brandungsbespritzten Felsen sammelt. Anbauen kann man ihn nicht. Daneben gibt es unter anderem „Vlita“, ein Fuchsschwanzgewächs, das mit Zitrone, Knoblauch und Öl ein Gedicht der Sonderklasse ist. Als es mir erstmals gelang, aus in Griechenland erworbenen Samen dieses Gemüse zu ziehen, und das im Halleschen Kleingarten riesenhoch geworden ist, schüttelten die Nachbarn den Kopf über das vermeintliche Unkraut. Ein fürchterliches Kindergeschrei hob an, als die ersten Kudsumures und Tsipures (auch so Fische) kamen. Die Fischlein waren mehr als reichlich, doch die Kinder fürchteten, zu kurz zu kommen. Ich erinnere mich an meine eigene Kindheit: da war Fisch ein Haßgericht. Warum, das weiß ich jetzt: das, was meine Mutter als „Fisch“ servierte, verdiente den Namen nicht. Kinder haben einen sehr differenzierten Geschmack, Verderbnis riechen sie viel schneller als wir.

„Tsipura“ heißt der Fisch, Tsipuro das Destillat.

Nun klingt das alles so, als gäbe es keine Krise in Griechenland, denn selbstverständlich ist so ein Essen teuer. Das ist eben nur die eine Seite der Medaille. Nach dem Bezahlen sagten unsere Freunde, ab morgen gäbe es eben wieder nur Linsen und Nudeln. Man muss die Feste so feiern wie sie fallen, und die Lebensfreude werden sich die Griechen niemals nehmen lassen. Freunde erzählen, wie sie ihren Kindern richtig Angst machen: wenn Ihr nicht artig seid, kommt die Tante Merkel.

 

Das Haus  in Zagora.

 

„Psaria“, Fische.

 

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