13.-15.08: Athen-Larissa-Aghiokampus-Volos-Pilion

Nachts gegen eins setzt das Flugzeug auf der Landebahn in Athen auf, und kaum ist das Beifallklatschen verklungen, setzt das übliche Gerangel ein, schließlich geht es darum, als erster das Handgepäck aus der Ablage gezerrt zu haben, als erster den Gang zu verstopfen, als erster den Flughafenbus bestiegen zu haben, um dann als erster am stehenden Gepäckband warten zu dürfen, das sich dann nach einer Viertelstunde tatsächlich bewegt. In der Angst, irgendwo zu kurz zu kommen, nicht erster zu sein, sind sich Griechen und Hallenser auffallend ähnlich. Vor dem Flughafengebäude ordnen Geländer und ein Streifenwagen der Polizei die gerechte Verteilung der Ankömmlinge auf die in langer Schlange bereitstehenden Taxen. Die rasante nächtliche Fahrt über die Schnellstraße durch Athen in den Vorort Kifisia rasch bewältigt, wir verpassen die Abfahrt, weil das Geschäft, das den Abzweig markiert, pleite und nicht mehr beleuchtet ist.

Am nächsten morgen vergewissern wir uns, dass in dem noblen Vorort Kifisia sich allerdings kaum etwas merklich verändert hat. Hier sind die Reichen und Schönen unter sich,  das Angebot von Manikürestudios, edlen Modeläden und Tinnefboutiken für Menschen, die mehr als alles haben, scheint äußerlich unverändert. Die zahllosen Topfpflanzen im Garten grünen fleißig, kleine Minioasen in einer an sonsten vertrockneten Wüste. Griechische Vorstadtgärten sehen immer so aus.

Im vollkommen überalterten, aber immer noch mit TÜV-Plakette ausgestatteten Auto begeben wir uns auf die Autobahn Richtung Larissa. Unterwegs, etwa auf halber Strecke, machen wir Halt in Kamena Vourla, einem kleinen Badeort aan der Küste gegenüber der Insel Evia (Euböa).

Das Strandcafe hat eine Neuerung zu bieten: Das 5-Getreide-Bier „Bios5“. Auch in Griechenland lassen sich immer noch Überflüssigkeiten an den Mann bringen, wenn sie mit einer ausgefeilten Philosophie transportiert werden. Auf dem Tisch stehen dreieckige Aufsteller, die darauf hinweisen, wie gesund Bier ist (es hat weniger Kalorien als Wein und Schnaps), und dass Getreide seit alters her die Grundlage der gesunden mediterranen Ernährung ist. Und wenn ein Bier dann auch noch fünf Getreidesorten enthält, ist das geradezu ein diätetisches Lebensmittel. Teuer genug ist es, die Kleine Flasche kommt für 3,50 € auf den Tisch. Aber das fade Zeug enthält dafür:

„Reis, damit es vollkommen ist“

„Gerste, damit es traditionell ist“

„Roggen, damit es überraschend ist“

„Weizen, damit es reich und gehaltvoll ist“

„Mais, damit es leicht ist“

Derart gestärkt, treten wir die Weiterfahrt nach Larissa an, sitzen eine Weile mit der Schwiegermutter auf der Terasse in der Straßenschlucht mehrgeschossiger Hochhäuser, und fahren durch die  thessalische Tiefebene, dann durch die Berge von Mavrovouni, an den Ferienort Aghiocampus.

Landschaft in Thessalien, zwischen Larissa und Aghiocampos.

Endlose Autoschlangen aus Richtung Küste begenen uns in der Dämmerung, und lassen erahnen, dass wir dieses Jahr zu früh dran sind. Es ist noch Hauptferienzeit in Griechenland, und so erwartet uns am Ziel griechischer Freizeitterror total.

Einen Steinwurf von unserer Terrasse des Ferienhauses hat eine Strandbar aufgemacht und wummert die Häuserzeile mit Bässen voll, aber die kommt kaum gegen das lautstark schreiend sich unterhaltende, vierköpfige griechische Rentnergespann an, das sich in der Nachbarschaft eingemietet hat. Es ist ein seit der Antike gehütetes Geheimnis griechischer Rhetorik, der Nebensächlichkeit der Gedanken durch gewaltiges Anheben der Stimme Ausdruck zu verleihen. Den Rest besorgen knatternde Mopeds mit abgesägtem Auspuff, die Schaufahrten auf der Strandpromenade veranstalten.

Bloß weg von hier. Der Fluchtweg führt 5 Minuten fußläufig zum Lokal des „Lideris“, der sich mittlerweise durch seine gute Küche einen Namen gemacht hat. Es liegt etwas abseits im Ort, in einer Stichstrasse. Man sitzt zwischen Bäumchen draußen, es weht ein lauer Wind, die Kellner sind freundlich, aber unaufdringlich. Essen ist einfach und genial. Zum obligatorischen Tsipouro (ein Tresterschnaps, ziemlich hochprozentig) werden nach thessalischer Art – natürlich im Preis inbegriffen ) „Mesedes“, (Vorspeisen),  gereicht, in einem Umfange, wie sie eigentlich als Hauptgericht ausreichen würden. Es sind immer kleine Überraschungen, gleichsam eine Art „Gruß aus der Küche“, die aber in Griechenland eine lange Tradition haben, das Wort stammt noch aus dem Türkischen. Besonders klasse dieses mal : „Mydorisi“, eine Art Risotto mit Muscheln, lauwarm, mit Zitrone und sehr schmackhaftem Olivenöl serviert. Das Rezept werde ich noch abfassen, und hier einstellen.

„Mydorisi“ – Risotto mit Miesmuscheln, Dill und Olivenöl.

 

Kudsumures, paniert und gegrillt.

„Kudsumures“ heißen die kleinen, panierten und gegrillten Fischlein, die derart frisch und schmackhaft sind, dass sie nicht nur uns, sondern auch die kleinen Kätzchen begeisetrn, die flugs angeschossen kommen, und schüchtern wartend, dann, als sie merken, dass wir gute Mnschen sind, uns die Finger ablecken mit diesen Leckerreien ablecken. Im Verhalten sind griechische Katzen unseren einheimischen ähnlich, das heißt, eigentlich ist jede ein stolzes Individuum.

Griechenkatzen verfügen über ein Turbolaufwerk.

Fuchs-Katzen-Hybride

Nur dass sie anders aussehen: sie haben größere Augen, und fallen durch ihre viel längeren Beine auf. Wahrscheinlich haben Evolutuonsbiologen schon längst das Rätsel gelöst, aber ich habe meine eigene Theorie. Lange Beine sind von Vorteil, wenn man rennen muß – sei es, um Beute zu erhaschen oder menschlichen Fußtritten zu entkommen (leider sind nicht alle Griechen Katzenliebhaber, obwohl ihre Zahl stetig zunimmt). Kurze Beine sind dagegen hilfreich, wenn es gilt, Bäume zu erklettern. Hohe Kletterbäume als Zufluchtsort sind aber in Griechenland selten.

Der kommende 15.  August ist ein gestzlicher Feiertag, das Fest der Maria. Gefühlt jede zweite Frau hat an diesem Tag ihren Namenstag (Namenstage werden in Griechenland so gefeiert, wie bei uns Geburtstage), und ebenso traditionell ist dies der letzte Ferientag, der in Griechenland noch mal so richtig ausgekostet wird.  Als wir am Vorabend Aghiokampus mit Ziel Larissa und dann Volos- Zagora (Pilion) verlassen, kommen uns bereits lange Autoschlangen auf den Serpentinen entgegen. Sie bestätigen, dass unsere Absicht, die Gegenrichtung anzutreten, richtig war.

Der Zielort, Zagora, ist einer der Hauptorte der gebirgigen Halbinsel Pilion. Wie die meisten Orte liegt er in der Höhe, weit oberhalb des Meeres, um vor Piratenüberfällen geschützt zu sein. Hier, auf ca. 800 Metern Höhe im Pilion gelegen, feiern wir in den Namenstag unserer Schwägerin hinein. Das alte Steinhaus liegt einsam, hier stören wir niemanden, wenn wir uns um die Wette lautstark ausnahmslos dummes Zeug erzählen.

 

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